Polizei Einstellungstest: EKG - Polizeiärztliche UntersuchungIm Rahmen der polizeiärztlichen Untersuchung wird auch ein EKG durchgeführt. Meist als Belastungs-EKG. Der Arzt kann dadurch feststellen, ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen – und wie es um Ihre körperliche Leistungsfähigkeit steht.

Der Polizeiberuf setzt eine gute Gesundheit voraus. Denn Wechselschichten, Außendienst bei jeder Witterung und teils lange oder sehr anstrengende Einsätze stellen den Körper auf die Probe. Neben einer soliden Gesamtkonstitution ohne nennenswerte Einschränkungen erfordert der Polizeidienst deshalb körperliche Leistungsfähigkeit, Fitness und eine sehr gute Kondition. Und um zu prüfen, wie fit Sie sind, beinhaltet die polizeiärztliche Untersuchung ein EKG. In aller Regel handelt es sich dabei um ein Belastungs-EKG. Alles, was Sie dazu wissen müssen, erklärt Ihnen dieser Beitrag.

Was ist ein EKG?

Jedes Mal, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht, entsteht eine elektrische Erregung. Diese Erregung erfolgt nach einem bestimmten Muster, das sich fortlaufend wiederholt. Die Spannungsänderungen am Herzen, die dabei entstehen, werden bei einem EKG registriert und dargestellt. Dafür werden Elektroden am Körper angebracht. Das EKG-Gerät zeichnet die Signale auf, verstärkt sie und bildet sie dann in Form von Kurven ab, entweder auf einem Monitor oder als Ausdruck auf Papier. Das Kürzel EKG steht dabei sowohl für das Untersuchungsverfahren, die Elektrokardiografie, als auch für das sichtbare Ergebnis der Untersuchung, das Elektrokardiogramm.

Entwickelt wurde das EKG schon 1882. Seinerzeit erstellte der englische Physiologie Augustus D. Wailer das erste EKG, und zwar indem er die Herzaktivitäten seines Hundes Jimmy ableitete. Im frühen 20. Jahrhundert entwickelte der niederländische Arzt Willem Einthoven dann die Technik weiter und erarbeitete die Grundlagen, um die Aufzeichnungen auswerten zu können. Der Arzt bekam dafür den Nobelpreis für Medizin und trug gleichzeitig dazu bei, dass das EKG in die Humanmedizin Einzug hielt. Heute gehört das EKG längst zum Standard. Schließlich lassen sich mittels EKG Rückschlüsse auf die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems ziehen und verschiedenste Herzerkrankungen aufspüren. Und dabei gibt es das EKG in drei Varianten, nämlich als Ruhe-EKG, als Langzeit-EKG und als Belastungs-EKG.

Wie funktioniert ein EKG?

Das Herz pumpt kontinuierlich Blut durch das Gefäßsystem. Dazu ziehen sich die Herzkammern und die Vorhöfe erst zusammen und entspannen sich anschließend wieder. Um diese Aktivität der Herzmuskelzellen zeitlich zu steuern, ist das Herz mit einem speziellen System ausgestattet, das die Erregung bildet und weiterleitet. In diesem System spielt der Sinusknoten eine entscheidende Rolle. Denn im Sinusknoten entsteht die elektrische Erregung, die das Zusammenziehen der Herzmuskelzellen auslöst. Von hier aus verbreiten sich die elektrischen Impulse. Sie erregen zuerst die Vorhöfe und danach die beiden Herzkammern. Anschließend nimmt die Erregung wieder ab. Damit ist ein Zyklus beendet und der Sinusknoten leitet den nächsten Zyklus ein. Der Sinuskonten steuert somit nicht nur den rhythmischen Herzschlag, sondern gibt auch vor, wie schnell das Herz schlägt.

In jeder Phase eines Zyklus verändert sich die elektrische Spannung am Herzen. Diese Veränderungen sind an der Körperoberfläche messbar. Dies übernehmen Elektroden, die die Signale ans EKG-Gerät senden. Das EKG-Gerät wiederum zeichnet die Signale auf und gibt sie als Kurven wieder. In der Folge entsteht ein Muster, das die elektrischen Herzaktionen darstellt und zeigt, wie sich die Erregung bildet, ausbreitet und wieder zurückbildet.

Wie wird das EKG durchgeführt?

Bei einem normalen Gesundheitscheck wird meistens ein sogenanntes Ruhe-EKG durchgeführt. Dazu werden normalerweise zehn Elektroden am Körper befestigt, je eine Elektrode pro Arm und Bein und die übrigen sechs Elektroden auf dem Brustkorb. Während der Patient liegt oder sitzt, zeichnet das EKG-Gerät die elektrischen Herzaktionen auf und schreibt das EKG. Der Arzt kann die Aufzeichnungen anschließend auswerten. Dabei schaut er sich die Höhen und Tiefen der einzelnen Spannungen, ihre Dauern und die zeitlichen Abstände dazwischen an. Als Hilfsmittel verwendet er meist ein genormtes EKG-Lineal. Und auf dem Papier sieht das Ganze so aus:

Einstellungstest Polizei - EKG

Im Zuge der polizeiärztlichen Untersuchung beim Einstellungstest wird manchmal auch ein Ruhe-EKG geschrieben. Auf jeden Fall wird aber ein Belastungs-EKG durchgeführt. Denn das Belastungs-EKG ist ein fester Bestandteil der polizeiärztlichen Untersuchung.

Wie läuft ein Belastungs-EKG ab?

Aus technischer Sicht funktioniert ein Belastungs-EKG genauso wie ein Ruhe-EKG. Im Unterschied zum Ruhe-EKG wird das Belastungs-EKG aber bei körperlicher Aktivität geschrieben. Für das Belastungs-EKG werden zunächst die Elektroden an Ihrem Körper befestigt. Anschließend setzen Sie sich auf ein Ergometer. Bei dem Ergometer kann es sich um ein stationäres Fahrrad oder ein Laufband handeln. Während sie nun in die Pedale treten oder laufen, werden Ihre Herzaktivitäten aufgezeichnet. Dabei stellt der Arzt verschiedene Belastungsphasen ein, die typischen Belastungssituationen im Alltag entsprechen:

  • 25 bis 50 Watt simulieren die Belastung bei zügigem Gehen
  • 75 bis 100 Watt entsprechen der Belastung beim Treppensteigen
  • 125 bis 150 Watt kommen der Belastung beim Joggen nahe
  • über 150 Watt imitieren die Belastung bei intensiver sportlicher Betätigung

Ein Belastungs-EKG dauert mehrere Minuten und in dieser Zeit wird die Belastung schrittweise erhöht. Der Arzt beobachtet währenddessen Ihre Herzstromkurve, Ihren Puls und Ihren Blutdruck. An das Belastungs-EKG schließt sich eine kurze Erholungsphase an. Hier behält der Polizeiarzt im Blick, wie sich Ihre Herzfrequenz wieder normalisiert.

Was sagt das Belastungs-EKG aus?

Es gibt eine Reihe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die sich erst unter körperlicher Anstrengung bemerkbar machen. In einem Ruhe-EKG würden diese Erkrankungen, zu denen beispielsweise eine Herzschwäche oder Durchblutungsstörungen an den Herzkranzgefäßen gehören, nicht auffallen. Das Belastungs-EKG zielt aber nicht nur darauf ab, krankhafte Veränderungen aufzuspüren, die das Herz selbst betreffen oder seine Funktion einschränken. Stattdessen ist das Belastungs-EKG ein sehr probates Mittel, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu ermitteln.

Damit der Polizeiarzt beurteilen kann, wie fit Sie tatsächlich sind, legt er einen individuellen Soll-Wert für Sie fest. Normalerweise liegt die Herzfrequenz in Ruhe bei 60 bis 80 Schlägen pro Minute. Bei körperlicher Anstrengung erhöht sich die Herzfrequenz, wobei sie umso schneller wird, je größer die Belastung ist. Beim Belastungs-EKG gibt es nun eine Faustregel:

Herzfrequenz von 220 Schlägen pro Minute – Anzahl der Lebensjahre

Der Wert, der sich daraus ergibt, entspricht Ihrer Belastungsgrenze.

Ein Tipp zum EKG beim Einstellungstest der Polizei

Körperliche Fitness und Ausdauer sind für den Polizeiberuf unverzichtbar. Deshalb werden diese Faktoren beim Einstellungstest sehr genau überprüft, und zwar sowohl durch den Sporttest als auch durch das Belastungs-EKG. Bereiten Sie sich deshalb darauf vor! Legen Sie in Vorbereitung auf den Einstellungstest ein paar Extraeinheiten Ausdauertraining ein, auch wenn Sie ansonsten sportlich aktiv und fit sind. Das Ausdauertraining wird Ihnen sehr zugutekommen und dabei helfen, das Belastungs-EKG problemlos zu schaffen.