Die Polizei wirbt um Bewerber mit Migrationshintergrund. Doch wie erfolgreich sind die Bemühungen? Und wie steht es überhaupt um die kulturelle Vielfalt bei der Polizei?

Wenn die Integration von ausländischen Mitbürgern nicht so richtig funktioniert und die Spannungen innerhalb der Gesellschaft größer werden, ist es oft die Polizei, die die Probleme als Erste zu spüren bekommt. Dann ist es besonders hilfreich, wenn die Polizei Kollegen zum Einsatzort schicken kann, die andere Kulturen kennen und über Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Aus diesem Grund ist die kulturelle Vielfalt auch in den Reihen der Polizei zu einem wichtigen Thema geworden. In fast allen Bundesländern sucht die Polizei gezielt nach Bewerbern mit Migrationshintergrund und lässt sich dafür mitunter sogar besondere Werbemaßnahmen einfallen. Doch wie sieht die Realität aus? Der Mediendienst Integration hat untersucht, wie es mit der multikulturellen Vielfalt bei der Polizei wirklich aussieht.

Die Datenerhebung von Polizisten mit Migrationshintergrund

Wie viele Polizisten einen Migrationshintergrund haben, lässt sich nicht so einfach feststellen. Denn eine bundesweite Erhebung gibt es nicht. Vor dem Hintergrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und wegen datenschutzrechtlicher Bestimmungen ist es in Deutschland aber auch nicht üblich, die ethnische Zugehörigkeit zu erfassen. Stattdessen wird lediglich die Staatsangehörigkeit ermittelt. Um feststellen zu können, ob die sogenannte interkulturelle Öffnung Fortschritte macht, finden solche Erhebungen lediglich auf freiwilliger Ebene statt. Doch auch hier handhaben die Polizeien dieses Thema unterschiedlich.

So können neu eingestellte Polizeianwärter in elf Bundesländern freiwillig Angaben zu einem möglichen Migrationshintergrund machen. In Hamburg und in Nordrhein-Westfalen werden solche Befragungen schon seit knapp zehn Jahren durchgeführt. In Rheinland-Pfalz, im Saarland und in anderen Bundesländern hingegen finden zum Teil erst seit wenigen Jahren Erhebungen statt. In Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen wiederum wird überhaupt nicht erfasst, ob Bewerber und neue Kollegen einen Migrationshintergrund haben. Auch die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt erheben bisher keine Informationen zur Herkunft. Laut Bundesinnenministerium ist eine entsprechende Umfrage bei der Bundespolizei aber in Planung.

Die Situation bei den Polizeien im Einzelnen

Viele Polizeibehörden bemühen sich redlich darum, den Anteil an Kollegen mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Eigens eingestellte Integrationsbeauftragte, Infoveranstaltungen an Schulen, mehrsprachige Flyer oder Polizisten mit Migrationshintergrund als Werbegesichter sind ein paar Beispiele für die Maßnahmen, die Bewerber aus Einwandererfamilien dazu ermutigen sollen, sich bei der Polizei zu bewerben. Und tatsächlich ist die Belegschaft der Polizei ein wenig multikultureller geworden. Welche Bemühungen die Polizeien konkret unternehmen und wie hoch der Anteil an Polizisten mit Migrationshintergrund in den einzelnen Bundesländern ist, sehen Sie in den folgenden Abschnitten.

Stichwort Person mit Migrationshintergrund

Das statistische Bundesamt spricht dann von einem Migrationshintergrund, wenn eine Person nicht von Geburt an die deutsche Staatsangehörigkeit hat oder wenn mindestens ein Elternteil der Person nicht von Geburt an deutscher Staatsangehöriger ist.

Polizei Baden-Württemberg

Bei der baden-württembergischen Polizei lag der Anteil von neu eingestellten Kollegen laut aktuellster Erhebung aus dem Jahr 2015 bei 20,8 Prozent. Wie viele Bewerber mit Migrationshintergrund es gibt, wird nicht erfasst.

2012 und 2013 gab es spezielle Werbekampagnen, die Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen und ihr Interesse für den Polizeidienst wecken sollten. Diese Kampagnen waren erfolgreich. So erreichte die Quote mit 24,8 Prozent im Jahr 2013 ihren Höhepunkt. In den folgenden Jahren sank sie dann wieder leicht. Als weitere Werbemaßnahmen macht die Polizei Baden-Württemberg die kulturelle Vielfalt bei Veranstaltungen und auf ihrer Internetseite zur Nachwuchswerbung zum Thema.

Polizei Bayern

In Bayern wird ein möglicher Migrationshintergrund nicht abgefragt. Allerdings können schon seit 1993 ausländische Staatsangehörige in den Polizeidienst eingestellt werden, wenn ein besonderes dienstliches Bedürfnis besteht. Laut Innenministerium war das bisher knapp 170 Mal der Fall.

Konkrete Werbemaßnahmen gibt es nicht. Es gab zwar Berichte in ausländischen Medien und unter den Werbegesichtern sind auch Polizeibeamte mit Migrationshintergrund. Ansonsten bemühen sich die Einstellungsberater aber darum, alle geeigneten Personen, unabhängig von deren Herkunft, für den Polizeiberuf zu begeistern.

Polizei Berlin

In den vergangenen Jahren machten in Berlin die Bewerber mit Migrationshintergrund rund 30 Prozent aller Bewerber aus. Ähnlich hoch war die Quote bei den Neueinstellungen. So hatten im Jahr 2015 23,6 Prozent und im Jahr 2016 29,2 Prozent der eingestellten Polizeianwärter Migrationshintergrund.

Um Nachwuchskräfte aus Einwandererfamilien zu gewinnen, beteiligt sich die Berliner Polizei an der bundesweiten Kampagne Vielfalt in der Ausbildung. Daneben gibt es die Initiative Berlin braucht dich, die sich an Jugendliche mit Migrationshintergrund richtet. Seit 2008 arbeitet die Polizei mit der Türkischen Gemeinde zusammen und ermöglicht Interessierten Praktika bei der Polizei. In Stellenausschreibungen und auf ihrer Internetseite weist die Berliner Polizei ausdrücklich darauf hin, dass Bewerber mit Migrationshintergrund erwünscht und Fremdsprachenkenntnisse sowie interkulturelle Kompetenzen ein Pluspunkt sind.

Bremen

Während in Bremen der Anteil an Bewerbungen von Personen mit Migrationshintergrund im Jahr 2016 um knapp zwei Prozentpunkte auf 18,8 Prozent gesunken ist, ist der Anteil an Neueinstellungen gestiegen. Waren es im Jahr 2013 gerade einmal sechs Prozent, kletterte der Anteil an neugestellten Polizeianwärtern mit Migrationshintergrund im Jahr 2016 um über zehn Prozent auf 16,4 Prozent.

Die Bremer Polizei informiert auf Berufsmessen und bei Schulveranstaltungen über den Polizeiberuf und die Chancengleichheit im Auswahlverfahren. Zudem gibt es Kooperationen mit türkischen Einrichtungen und einen Integrationsbeauftragten.

Polizei Hamburg

Bei der Hamburger Polizei hatte im Jahr 2016 über ein Viertel aller Bewerber Migrationshintergrund. Der Anteil an neu eingestellten Polizeianwärtern mit ausländischen Wurzeln lag bei 15,9 Prozent.

Bei der Einstellungsstelle der Hamburger Polizei sind zwei Mitarbeiter tätig, die selbst Migrationshintergrund haben und sich um die Nachwuchswerbung kümmern. Dazu führen sie unter anderem Infoveranstaltungen an Schulen mit hohen Migrantenanteil durch. Sie betreuen außerdem Bewerber mit Migrationshintergrund. Infoveranstaltungen finden auch in Kulturhäusern, bei ausländischen Gemeinden, in Konsulaten und an anderen Stellen statt. Die Hamburger Polizei hat eine Werbekampagne ins Leben gerufen und stellt ihre Infomaterialien in mehreren Sprachen zur Verfügung. Seit 2016 gibt es an der Akademie der Polizei Hamburg ein Institut für transkulturelle Kompetenz, kurz ITK, das Mitarbeiter der Polizei interkulturell fortbildet.

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Polizei Hessen

Im Jahr 2015 hatten 17,1 Prozent der neu eingestellten Polizeianwärter in Hessen Migrationshintergrund. Damit lag der Anteil um zwei Prozentpunkte höher als im Vorjahr.

Bei der hessischen Polizei gibt es einen Migrationsbeauftragten, der zusammen mit den Einstellungsberatern Informationsveranstaltungen in Schulen und Vereinen durchführt. Außerdem werden in ausländischen Zeitungen Anzeigen geschaltet und Werbematerialien in verschiedenen Konsulaten ausgelegt. In Fitnessstudios warb die Polizei mit Plakaten, in den Kinos liefen Werbeclips und es gab eigens bedruckte Popcorntüten. Die Werbematerialien wurden in mehreren Sprachen erstellt und auf allen Werbemitteln sind Beamte mit unterschiedlichen Wurzeln zu sehen.

Polizei Niedersachsen

In Niedersachsen lag der Anteil der Bewerber mit Migrationshintergrund im Jahr 2016 bei 18,8 Prozent. Bei den Einstellungen betrug der Anteil 12,3 Prozent.

In den vergangenen Jahren hat die niedersächsische Polizei verschiedene Werbemaßnahmen durchgeführt, um Menschen mit ausländischen Wurzeln für die Polizei zu gewinnen. Einige der Aktionen sprachen gezielt die Eltern potenzieller Bewerber an. Die Polizei Niedersachsen achtet darauf, dass in ihrer Öffentlichkeitsarbeit Polizisten vertreten sind, die offensichtlich Migrationshintergrund haben. Weitere Werbemaßnahmen sind Anzeigen und Berichte in ausländischen Medien, Messeteilnahmen und Infoveranstaltungen.

Polizei Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen waren im Jahr 2016 rund 20 Prozent der Bewerber Personen mit Migrationshintergrund. Der Anteil der eingestellten Polizeianwärter mit ausländischen Wurzeln lag bei 11,7 Prozent.

Um Bewerber mit Migrationshintergrund zu gewinnen, spricht die Polizei Nordrhein-Westfalen auf Berufsmessen, bei Informationsveranstaltungen, in Schulen, auf ihrer Internetseite für Bewerber und in den sozialen Medien Interessierte an. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Bewerbern mit türkischen Wurzeln. Außerdem stellt die nordrhein-westfälische Polizei in ihren Werbematerialien Polizisten mit Migrationshintergrund vor.

Polizei Rheinland-Pfalz

Bei der rheinland-pfälzischen Polizei lag der Anteil an Bewerbern mit Migrationshintergrund im Jahr 2016 bei 21,7 Prozent. Die Quote bei den Neueinstellungen betrug 14,4 Prozent.

Um Nachwuchs zu gewinnen, arbeitet die Polizei Rheinland-Pfalz mit mehrsprachigen Infomaterialien, die in Arbeitsämtern, Schulen und Polizeidienststellen ausliegen. Teilweise sprechen die Broschüren auch die Eltern an. Daneben finden regelmäßig multikulturelle Werbeveranstaltungen statt. Um insbesondere Bewerber mit türkischen Wurzeln anzusprechen, hat die Polizei Rheinland-Pfalz außerdem zusammen mit dem Musiker Ercan Demirel ein Video gedreht.

Polizei Saarland

Im Saarland betrug der Anteil der Bewerber mit Migrationshintergrund in den vergangenen Jahren etwa zehn Prozent. Im Jahr 2016 gab es erstmals einen leichten Anstieg. So lag der Anteil an Bewerbern mit ausländischen Wurzeln für das Einstellungsjahr 2017 bei 11,2 Prozent.

Um den Anteil an Polizisten mit Migrationshintergrund zu erhöhen, führt die saarländische Polizei Infoveranstaltungen an Schulen durch und nimmt an interkulturellen Events teil. Daneben finden regelmäßig Veranstaltungen in Berufsinformationszentren statt, bei denen Polizisten mit und ohne Migrationshintergrund individuelle Gespräche mit Interessierten führen. Außerdem weist die saarländische Polizei auf ihrer Internetseite ausdrücklich darauf hin, dass sie an Bewerbungen von Bewerbern mit Migrationshintergrund sehr interessiert ist.

Polizei Sachsen

Aus Sachsen liegen keine Daten zu Bewerbungen und Einstellungen vor, weil hier ein möglicher Migrationshintergrund nicht abgefragt wird. Doch Bemühungen um Bewerber mit Migrationshintergrund gibt es durchaus. So setzt die sächsische Polizei beispielsweise Flyer in polnischer und tschechischer Sprache ein, um in den Grenzregionen um Nachwuchs zu werben. Außerdem gibt es Werbevideos, bei denen auch Polizisten mit Migrationshintergrund mitwirken.

Polizei Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt traten im Einstellungsjahr 2016 20 Polizeianwärter mit Migrationshintergrund ihren Dienst an. Damit liegt ihr Anteil an den Neueinstellungen bei 9,1 Prozent.

Um Nachwuchskräfte zu gewinnen, wirbt die Polizei Sachsen-Anhalt auf Berufsmessen und bei Schulveranstaltungen. Außerdem beteiligt sie sich an kulturellen Veranstaltungen wie beispielsweise dem zentralen Einbürgerungsfest. Zudem enthalten Stellenanzeigen und Berufsbeschreibungen den Hinweis, dass Bewerber mit Migrationshintergrund ausdrücklich erwünscht sind.

Polizei Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein erreichten die Quoten im Jahr 2011 ihren Höhepunkt. Damals hatten 7,6 Prozent der Bewerber und 6,4 Prozent der neu Eingestellten einen Migrationshintergrund. Im Jahr 2016 lag der Anteil der Bewerber mit Migrationshintergrund nur noch bei 5,4 Prozent und von den neu eingestellten Polizisten hatten 3,5 Prozent ausländische Wurzeln.

In der Einstellungsstelle der Landespolizei arbeiten mehrere Einstellungsberater mit Migrationshintergrund. Sie kümmern sich um die Nachwuchswerbung und die Betreuung von Bewerbern mit ausländischen Wurzeln. Die Polizei Schleswig-Holstein gibt Infobroschüren auf Türkisch heraus und nimmt an Ausbildungsmessen teil. Außerdem arbeitet die Landespolizei unter anderem mit der Türkischen Gemeinde zusammen.

Grafik zu den Einstellungsquoten

Die Grafik zeigt den Anteil der neu eingestellten Polizisten mit Migrationshintergrund. Dieser Anteil ist mit dem blauen Balken dargestellt. Dabei wurden jeweils die aktuellsten Zahlen, die vorliegen, berücksichtigt. Im Vergleich dazu bildet der rote Balken den Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund im jeweiligen Bundesland ab.

Die Polizeien Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen

Diese drei Landespolizeien erheben keine Daten zum Migrationshintergrund. Daher gibt es auch keine Angaben dazu, wie viele Bewerber mit Migrationshintergrund es gibt und wie viele Polizisten mit ausländischen Wurzeln im Einsatz sind. Besondere Werbemaßnahmen, um gezielt Nachwuchskräfte mit Migrationshintergrund zu gewinnen, werden ebenfalls nicht vorgenommen.

Die Bundespolizei

Die Bundespolizei erfasst einen möglichen Migrationshintergrund nicht, plant aber eine entsprechende Umfrage unter den Mitarbeitern. Gleichwohl möchte auch die Bundespolizei die kulturelle Vielfalt in ihren Reihen erhöhen. Dazu wurde beispielsweise ein Kinfofilm gedreht. Bundespolizisten mit Migrationshintergrund beteiligen sich außerdem an Werbekampagnen und leisten Öffentlichkeitsarbeit. Daneben arbeitet die Bundespolizei mit Schulen, Vereinen und Integrationsbeauftragen zusammen. Und auf der Internetseite zur Nachwuchswerbung erzählen Bundespolizisten über ihre Aufgaben und den Berufsalltag.