Immer wieder wird behauptet, dass es nicht möglich wäre, sich gezielt auf den Einstellungstest der Polizei vorzubereiten. Ist an dieser Behauptung etwas dran?

Wenn Sie zur Polizei möchten, müssen Sie erst einmal einen umfangreichen Einstellungstest bestehen. Und sowohl im Internet als auch in der Buchhandlung gibt es viele Informationen zu diesem Thema. Die Angebotspalette reicht von Ratgebern über Übungstests bis hin zu Vorbereitungskursen. Gleichzeitig wird regelmäßig darauf hingewiesen, dass eine gute Vorbereitung das A und O ist. Wer komplett unvorbereitet am Auswahlverfahren teilnimmt, habe kaum eine Chance, den Test zu bestehen. Das jedenfalls sagen die Anbieter. Andererseits melden sich immer wieder Kritiker zu Wort, die behaupten, dass eine gezielte Vorbereitung überhaupt nicht möglich sei. Wer hat Recht? Ist es wirklich unmöglich, sich auf den Einstellungstest vorzubereiten? Wollen die Anbieter von Literatur, Onlinetests und Vorbereitungskursen nur falsche Hoffnungen wecken und den Bewerbern das Geld aus der Tasche ziehen?

Die Einstellungstests sind nicht identisch, aber sehr ähnlich

Um die besten Bewerber zu ermitteln, führt die Polizei ein aufwendiges Auswahlverfahren durch. Tatsächlich ist es aber gar nicht richtig, von der Polizei zu sprechen. Denn in Deutschland ist die Polizei Sache der Bundesländer. Jedes Bundesland hat also seine eigene Landespolizei. Hinzu kommt die Bundespolizei als eigenständige Behörde mit eigenem Aufgabengebiet. Und jede Polizei entscheidet selbst, wie sie ihr Auswahlverfahren gestaltet. Die Folge davon ist, dass die Einstellungstests verschieden sind. Dabei fangen die Unterschiede bei der Dauer der Auswahlverfahren an und hören bei den inhaltlichen Schwerpunkten auf. Vielleicht liegt hier ein Grund für die Behauptung, dass eine gezielte Vorbereitung nicht möglich wäre. Schließlich gibt es den einen Einstellungstest, der bundesweit einheitlich durchgeführt wird, tatsächlich nicht. Doch das bedeutet nicht, dass Sie sich nicht vorbereiten können. Denn zum einen können Sie sich im Vorfeld über den genauen Ablauf Ihres Einstellungstests informieren. Über das Polizeiportal beispielsweise können Sie die Internetseite Ihrer Polizei aufrufen. Dort ist das Auswahlverfahren genau beschrieben. Und zum anderen ist es so, dass die Einstellungstests im Detail zwar Unterschiede aufweisen. Der grundlegende Ablauf ist aber gleich. Es gibt ein paar Prüfungsbausteine, die praktisch überall drankommen – und darauf können Sie sich sehr wohl vorbereiten.

Der PC-Test

Der schriftliche Prüfungsteil wird meist computergestützt durchgeführt. Aus diesem Grund wird auch vom PC-Test gesprochen. In einigen Auswahlverfahren ist hingegen vom Leistungstest oder vom Intelligenztest die Rede. Beim PC-Test wird Ihr Wissen und Können in verschiedenen Themenbereichen geprüft. Zu den typischen Kategorien gehören dabei

  • Allgemeinwissen und Fachwissen zur Polizei
  • Deutsch
  • Mathe
  • Konzentrationsvermögen
  • Logisches und abstraktes Denkvermögen
  • Merkfähigkeit
  • Technisches Verständnis
  • Räumliches Vorstellungsvermögen

Im Bereich Deutsch steht meist ein Diktat auf dem Programm. Manchmal müssen Sie aber auch einen kurzen Aufsatz schreiben. Ansonsten werden die Fragen überwiegend als Multiple-Choice-Aufgaben gestellt. Das bedeutet: Zu einer Frage bekommen Sie mehrere Antwortmöglichkeiten zur Auswahl. Und um die Frage zu beantworten, müssen Sie die richtige Antwort auswählen und markieren.

So können Sie sich auf den PC-Test vorbereiten

Die beste Vorbereitung auf den PC-Test besteht darin, dass Sie Übungsaufgaben lösen. Denn durch die Übungsaufgaben verschaffen Sie sich einen guten Überblick über die Themenbereiche und die Inhalte, die beim Einstellungstest drankommen. Außerdem lernen Sie die verschiedenen Aufgabentypen kennen und können ermitteln, in welchen Themenbereichen Sie noch etwas Nachholbedarf haben. Und Sie gewöhnen sich schon einmal an die Prüfungssituation.

Natürlich werden Ihnen beim PC-Test der Polizei nicht exakt die gleichen Fragen begegnen wie bei einem Online-Test. Das macht aber nichts. Denn bei der Vorbereitung geht es in erster Linie darum, dass Sie ein Gespür für die Aufgabenarten entwickeln und lernen, wie Sie beim Lösen vorgehen sollten. Im Prinzip ist es wie in Mathe: Wenn Sie die Formel oder die Rechenart verstanden haben und anwenden können, wissen Sie, wie Sie die Aufgabe ausrechnen müssen. Damit können Sie alle Matheaufgaben dieser Art lösen, unabhängig von den Zahlen und dem Text darum herum. Denn weil Sie den Rechenweg kennen, können Sie ihn anwenden. Vor allem bei Aufgaben, die sich mit der Logik und der Konzentrationsfähigkeit befassen, wird Ihnen ein gezieltes Üben sehr zugutekommen. Diese Aufgabentypen basieren nämlich auf gewissen Grundschemata. Und wenn Sie diese Muster einmal durchschaut haben, sind die Aufgaben selbst kein Problem mehr. Beim Test selbst werden Sie aber nicht die Zeit haben, erst noch herauszufinden, wie Sie am besten vorgehen sollten.

Neben dem Lösen von Übungsaufgaben sollten Sie sich mithilfe der Medien über das aktuelle Zeitgeschehen und wichtige Ereignisse auf dem Laufenden halten. Denn das aktuelle Zeitgeschehen ist oft ein Thema beim Einstellungstest. Um die Vorbereitung etwas aufzulockern, können Sie zwischendurch Quizspiele spielen und Rätsel lösen. So trainieren Sie auf unterhaltsame Art.

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Die Sportprüfung

Bei fast allen Polizeien gehört ein Sporttest zum Auswahlverfahren. Lediglich in Nordrhein-Westfalen und in Sachsen-Anhalt müssen Sie im Rahmen des Einstellungstests keine Sportprüfung absolvieren. Hier müssen Sie stattdessen das Deutsche Sportabzeichen vorlegen, um Ihre sportliche Fitness nachzuweisen. In Baden-Württemberg wiederum haben Sie die Wahl, ob Sie das Sportabzeichen vorlegen oder beim Einstellungstest eine Sportprüfung machen. Wie der Sporttest gestaltet ist, ist von Polizei zu Polizei verschieden. Grundsätzlich stehen bei der Sportprüfung aber vier Merkmale im Vordergrund, nämlich

  1. Ihre Schnelligkeit,
  2. Ihre Kraft,
  3. Ihre Ausdauer und
  4. Ihre Geschicklichkeit.

Dazu müssen Sie unterschiedliche Disziplinen meistern. Neben einem Ausdauerlauf können das beispielsweise Liegestütze, Klimmzüge oder ein Kasten-Bumerang-Test sein.

So können Sie sich auf die Sportprüfung vorbereiten

Informieren Sie sich zunächst, welche Disziplinen Sie bei Ihrem Einstellungstest erwarten. Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite Ihrer Polizei und natürlich auch auf unserer Webseite. Anschließend sollten Sie die Disziplinen gezielt trainieren. Das gilt auch dann, wenn Sie viel Sport treiben und sich für fit halten. Denn bei der Sportprüfung geht es mitunter um Übungen, die nicht unbedingt zu Ihrem üblichen Sportprogramm gehören. Wenn Sie beispielsweise überwiegend laufen, werden Sie zwar eine gute Ausdauer haben. Doch das heißt nicht, dass Ihnen auch Kraft- und Geschicklichkeitsübungen gut liegen. Trainieren also sicherheitshalber gezielt für die Disziplinen bei Ihrem Sporttest. Und: Versuchen Sie so zu trainieren, dass Ihre regelmäßige Trainingsleistung etwa 20 Prozent höher ist als die beim Test geforderte Mindestleistung. Auf diese Weise haben Sie einen kleinen Leistungspuffer für den Fall, dass es am Prüfungstag nicht optimal laufen sollte. Zudem wird es Ihnen Sicherheit geben, wenn Sie wissen, dass Sie die Anforderungen normalerweise locker schaffen.

Das Einzelinterview

Zu jedem Einstellungstest gehört ein Einzelgespräch. Das Einzelinterview ersetzt das klassische Vorstellungsgespräch. Beim Einzelinterview möchte die Polizei Sie als Person kennenlernen, etwas über Ihre Motivation erfahren und herausfinden, ob Sie von Ihrer Persönlichkeit her zur Polizei passen. Meist wird das Einzelinterview als strukturiertes oder zumindest teilstrukturiertes Gespräch geführt. Strukturiert bedeutet, dass die Prüfer mit einem Leitfaden arbeiten. Allen Bewerbern werden dadurch genau dieselben Fragen in der gleichen Reihenfolge gestellt. Die Bewertung Ihrer Antworten erfolgt ebenfalls nach einem standardisierten Schema, meist mit einer Punkte- oder Notenskala.

Das Einzelinterview bildet einen mündlichen Prüfungsteil. Bei einigen Einstellungstests bleibt es bei dem Einzelgespräch, bei anderen Einstellungstests umfasst die mündliche Prüfung noch Elemente des Assessment Centers. Bei diesen Elementen handelt es sich typischerweise um eine Gruppenaufgabe, ein Rollenspiel und/oder einen Kurzvortrag.

So können Sie sich auf das Einzelinterview vorbereiten

Um sich auf das Einzelgespräch vorzubereiten, sollten Sie sich ausführlich über die Polizei als Behörde und über ihre Aufgaben informieren. Denn eine der wichtigsten Fragen wird lauten: “Warum wollen Sie Polizist werden?” Außerdem werden Ihnen sicherlich weitere Fragen zum Beruf gestellt werden. Schließlich will die Polizei wissen, warum Sie sich für den Polizeiberuf entschieden haben. Aber sie will auch wissen, ob Sie eine Vorstellung davon haben, was in diesem Beruf auf Sie zukommt. Eine überzeugende Erklärung für Ihren Berufswunsch werden Sie jedoch nur dann liefern können, wenn Sie sich zuvor intensiv mit der Polizei auseinandergesetzt haben.

Daneben sollten Sie sich die Fragen anschauen, die typischerweise bei einem Vorstellungsgespräch gestellt werden. Überlegen Sie sich, wo Ihre Stärken liegen und was Ihre Schwächen sind. Bereiten Sie Ihre Selbstpräsentation vor und machen Sie sich Gedanken darüber, was Sie als Mensch und als Persönlichkeit ausmacht.

Müssen Sie auch ein Assessment Center meistern, sollten Sie sich anschauen, welche Aufgaben und Übungen hier üblich sind. Infos dazu finden Sie auf der Internetseite Ihrer Polizei. Auf unserer Seite haben wir natürlich auch jede Menge Infos und Tipps für Sie parat. Letztlich ist bei der mündlichen Prüfung aber vor allem eines wichtig: Bleiben Sie natürlich! Verbiegen Sie sich nicht zu sehr und versuchen Sie nicht, alles möglichst richtig und perfekt zu machen. Die Polizei sucht neue Kollegen – keine Schauspieler!

Die polizeiärztliche Untersuchung

Durch die polizeiärztliche Untersuchung wird überprüft, ob Sie jetzt und langfristig die gesundheitlichen Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Polizist mitbringen. Ob Sie gesund sind oder nicht, wissen Sie selbst natürlich am besten. Und an Ihrem Gesundheitszustand werden Sie nicht allzu viel ändern können. Auf einen Bestandteil der Untersuchung können Sie sich aber dennoch gezielt vorbereiten: auf den Ergometertest. Durch ein Training auf dem Ergometer können Sie beeinflussen, wie sich Ihr Puls bei Belastung verhält. Und für die Einschätzung Ihrer Polizeidiensttauglichkeit ist diese Belastungskurve sehr wichtig. Ausführliche Infos zum Ergometertest haben wir übrigens in einem Detailbeitrag für Sie zusammengestellt.

Fazit

Sie sehen, die Behauptung, man könne sich auf den Einstellungstest der Polizei nicht gezielt vorbereiten, ist nur ein Mythos. Vielmehr ist es so, dass eine Vorbereitung sehr wohl möglich und auch unbedingt anzuraten ist. Sogar die Polizei empfiehlt in Ihren Beschreibungen zu den Auswahlverfahren, dass Sie sich vorbereiten sollten. Folgen Sie diesem Ratschlag! Denn je besser Sie vorbereitet sind, desto ruhiger und sicherer können Sie in die Prüfung gehen. Und desto besser sind Ihre Chancen, den Einstellungstest nicht nur irgendwie zu bestehen, sondern gut dabei abzuschneiden.