Einstellungstest Polizei: Höherer DienstOb Sie das Zeug für die anspruchsvolle Tätigkeit im höheren Polizeivollzugsdienst haben, wird mittels Auswahlverfahren geprüft. Lesen Sie hier, welche Herausforderungen beim Einstellungstest für den höheren Dienst auf Sie warten!

Die Leitung von Dienststellen oder Polizeieinheiten, die Organisation von Einsätzen, das Erarbeiten von Konzepten zur Kriminalitätsbekämpfung, die Aus- und Fortbildung von Nachwuchskräften der Polizei: Polizeibeamte im höheren Dienst übernehmen verschiedenste Führungs- und Managementaufgaben. Für solche verantwortungsvollen Aufgaben brauchen Sie nicht nur eine entsprechende fachliche Qualifikation, sondern auch Leitungsbereitschaft und eine starke Persönlichkeit. Und dass Sie dieses Potenzial mitbringen, müssen Sie beim Einstellungstest unter Beweis stellen.

Einstellungstest Polizei: Höherer Dienst

Einstellungstest Polizei: Höherer Dienst

Was genau bedeutet “höherer Dienst“?

Der Begriff „höherer Dienst“ bezeichnet die höchste Laufbahngruppe, die es für Beamte in Deutschland gibt. Da die Laufbahngruppen aber keine bundesweit einheitlichen Bezeichnungen haben, wird je nach Bundesland auch von „Laufbahngruppe 2, zweites Einstiegsamt“, „Laufbahngruppe 2, zweite Einstiegsebene“, „vierte Qualifikationsebene“ oder „viertes Einstiegsamt“ gesprochen.

Die Aufgaben im höheren Polizeivollzugsdienst

Der höhere Polizeivollzugsdienst ist für Führungs- und Managementaufgaben unterschiedlichster Art zuständig. Als Polizist im höheren Dienst leiten Sie beispielsweise eine Dienststelle oder eine Polizeieinheit. Dabei tragen Sie dann nicht nur die Personalverantwortung, sondern sind auch für die fachliche Leitung, die Organisation und die technische Ausrüstung verantwortlich. Sie planen, organisieren und leiten Großeinsätze, erarbeiten Konzepte zur Kriminalitätsbekämpfung und wirken in Stäben an der Verfolgung und Aufklärung von Straftaten mit. Ein weiterer Einsatzbereich kann die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Polizeikräften sein. Ebenso können Sie in einer polizeieigenen Forschungseinrichtung tätig werden. Insgesamt bekleiden Sie als Polizist im höheren Dienst also eine Führungsposition und stellen die Weichen dafür, dass die Polizei ihre Arbeit erfolgreich machen kann.

Die Laufbahn im höheren Polizeivollzugsdienst

Die Ausbildung im höheren Dienst sieht ein Studium vor. Dabei umfasst der Studiengang theoretische und praktische Studienabschnitte. Das gesamte Studium setzt sich aus Modulen zusammen und dauert zwei Jahre. Ihren Vorbereitungsdienst schließen Sie mit einer Masterprüfung ab.

Während des Vorbereitungsdienstes lautet Ihre Dienstbezeichnung Polizeiratanwärter (PRA) oder Polizeireferendar (PRef). Ihr Einstieg in die Laufbahn erfolgt als Polizeirat (PR). Im weiteren Verlauf Ihrer Karriere können Sie dann zum Polizeioberrat (POR), zum Polizeidirektor (PD) und schließlich zum Leitenden Polizeidirektor (LPD oder Ltd. PD) aufsteigen. Die Karriereleiter im höheren Polizeivollzugsdienst sieht also so aus:

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Was erwartet mich beim Einstellungstest für den höheren Polizeivollzugsdienst?

In Deutschland ist die Polizei Sache der Bundesländer. Deshalb hat jedes Bundesland seine Landespolizei, die wiederum ihren eigenen, landesrechtlichen Regelungen unterliegt. Dazu kommt dann noch die Bundespolizei als weitere Institution. Und jede Polizei legt selbst fest, wie sie ihr Auswahlverfahren gestaltet. Deshalb gibt es auch keinen einheitlichen Einstellungstest. Vielmehr unterscheiden sich die Einstellungstests je nach Bundesland in der Dauer, im Umfang und in den inhaltlichen Schwerpunkten. Andererseits sind die Einstellungstests aber durchaus miteinander vergleichbar. Denn von den Details abgesehen, setzen sich alle Auswahlverfahren aus bestimmten Grundbausteinen zusammen. Diese Grundbausteine sind feste Bestandteile der Einstellungstests. Für die Praxis bedeutet das, dass Sie sich auf folgende Herausforderungen einstellen und vorbereiten sollten:

Einstellungstest Höherer Dienst: PC-Test

Den Anfang macht eine schriftliche Prüfung, die in aller Regel computergestützt stattfindet. Beim PC-Test stehen verschiedene Themenfelder auf dem Prüfstand:

Sprachliche Kompetenzen

Der höhere Polizeivollzugsdienst setzt voraus, dass Sie die deutsche Sprache in Wort und Schrift sicher beherrschen und fehlerfrei anwenden können. Aus diesem Grund beinhaltet der PC-Test meist einen Aufsatz, den Sie zu einem vorgegebenen Thema schreiben müssen. Daneben können weitere Aufgaben auf dem Programm stehen. Bei diesen Aufgaben müssen Sie dann beispielsweise Lückentexte ergänzen, die Rechtschreibung oder Zeichensetzung prüfen, Sprichwörter vervollständigen oder Wörter nach bestimmten Vorgaben finden.

Englischkenntnisse

Im höheren Polizeivollzugsdienst werden meist gute Fremdsprachenkenntnisse in Englisch erwartet. Beim PC-Test werden Ihre Englischkenntnisse durch Aufgaben zum Wortschatz und zur Grammatik geprüft.

Kognitive Fähigkeiten und Intelligenz

Als Polizist im höheren Dienst warten viele spannende, anspruchsvolle und herausfordernde Aufgaben auf Sie. Um diese Aufgaben meistern zu können, brauchen Sie einerseits ein breitgefächertes Wissen. Andererseits müssen Sie ein hohes Maß an Intelligenz mitbringen und in der Lage sein, Zusammenhänge zu durchschauen, Rückschlüsse zu ziehen und Sachlagen schnell zu erfassen und richtig einzuschätzen. Beim PC-Test stehen dazu Aufgaben auf dem Programm, die Ihr Wissen und Können in Bereichen wie

  • Allgemeinbildung,
  • Fachwissen zur Polizei,
  • Mathe und technisches Verständnis,
  • logisches und abstraktes Denkvermögen oder
  • Merk- und Konzentrationsfähigkeit

prüfen.

Persönlichkeit

Für den höheren Dienst brauchen Sie eine starke Persönlichkeit. Immerhin tragen Sie viel Verantwortung und treffen mitunter weitreichende Entscheidungen. Ein Element des PC-Tests ist deshalb ein Persönlichkeitstest, bei dem Ihre sozialen Kompetenzen, Ihre Persönlichkeitsstrukturen und Ihre Leistungsmotivation auf die Probe gestellt werden. Die Aufgaben beinhalten Aussagen, bei denen Sie auf einer Skala auswählen müssen, inwieweit Sie zustimmen. Daneben müssen Sie aus verschiedenen Statements die Aussage ankreuzen, die am ehesten auf Sie zutrifft.

Je nach Bundesland findet der PC-Test entweder als ein großer, zusammenhängender Testbaustein statt oder er gliedert sich in mehrere Einzeltests. Bei den Fragen handelt es sich größtenteils um Multiple-Choice-Aufgaben. Dabei werden Ihnen mehrere Antwortmöglichkeiten vorgegeben und Sie müssen die richtige Lösung auswählen. Offene Fragen können zwar ebenfalls vorkommen, sind aber eher die Ausnahme.

4 Tipps zum PC-Test

1.) Auf den PC-Test können Sie sich gezielt vorbereiten. Trainieren Sie dafür mit Testaufgaben. Dabei kommt es beim Training hauptsächlich darauf an, dass Sie die verschiedenen Aufgabentypen kennenlernen und das Schema dahinter verstehen.

2.) Arbeiten Sie die Fragen beim Einstellungstest konzentriert und zügig durch. Halten Sie sich nicht zu lange mit einer Frage auf, denn sonst wird die Zeit am Ende zu knapp. Aber lesen Sie die Frage und die Antwortmöglichkeit genau durch!

3.) Wenn Sie sich bei einer Aufgabe unsicher sind, dann raten Sie! Schlimmstenfalls ist Ihre Antwort falsch. Lassen Sie eine Frage aus, wird das aber genauso als Fehler gewertet. Und behalten Sie im Hinterkopf, dass Sie nicht alle Fragen richtig lösen müssen.

4.) Bleiben Sie beim Persönlichkeitstest ehrlich. Es bringt nichts, wenn Sie Eigenschaften vorgeben, die Sie nicht haben. Spätestens beim Einzelgespräch und im Assessment-Center werden Widersprüche auffliegen. Allerdings sollten Sie keine extremen Aussagen wählen. Belassen Sie es im Zweifel lieber bei einer abgeschwächten Stufe.

Einstellungstest Höherer Dienst: Die Sportprüfung

Beim Sporttest müssen Sie zeigen, dass Sie nicht nur das Wissen und die Persönlichkeit, sondern auch die körperliche Fitness für den höheren Polizeivollzugsdienst mitbringen. Ihre Ausdauer, Ihr Koordinationsvermögen, Ihre Schnelligkeit und Ihre Kraft sind dabei zentrale Aspekte. Die Sportprüfung umfasst meist mehrere Disziplinen. Neben einer Ausdauersportart wie beispielsweise einem Langstreckenlauf sind das üblicherweise Einzelsportarten wie Weitsprung, Klimmzüge oder Bankdrücken. Manchmal steht auch eine Mannschaftssportart auf dem Programm.

Tipp zur Sportprüfung

Selbst wenn Sie fit sind und Sport treiben, sollten Sie gezielt für den Sporttest trainieren. Informieren Sie sich, welche Disziplinen dran kommen und welche Leistungen mindestens gefordert sind. Und bereiten Sie sich so vor, dass Ihre Leistungen etwa 20 Prozent über den Mindestleistungen liegen. Falls Sie einen schlechten Tag erwischen sollten, haben Sie dadurch einen Puffer.

Assessment-Center

Zu den typischen Aufgaben beim Assessment-Center gehören

  • Rollenspiele,
  • Gruppendiskussionen,
  • Gruppenaufgaben und
  • ein kurzes Referat, das Sie zu einem vorgegebenen Thema halten müssen.

Während bei den Rollenspielen oft ein Prüfer oder ein erfahrener Polizist die Rolle Ihres Gegenspielers übernimmt, lösen Sie die Gruppenaufgaben gemeinsam mit Ihren Mitbewerbern. Dabei stehen Sie die ganze Zeit über unter der Beobachtung der Auswahlkommission. Denn beim Assessment-Center zählen Eigenschaften wie Sozialverhalten, Kommunikationstalent, Durchsetzungsvermögen, Kooperationsbereitschaft und Teamgeist.

3 Tipps zum Assessment-Center

1.) Beteiligen Sie sich aktiv an den Aufgaben. Wenn Sie sich dezent im Hintergrund halten, werden die Prüfer Ihre Leistungen kaum bewerten können.

2.) Bleiben Sie authentisch und natürlich. Beim Assessment-Center geht es nicht um Ihr schauspielerisches Können, sondern um Ihr Auftreten und Ihren Umgang mit anderen Personen.

3.) Versuchen Sie die richtige Mischung aus Durchsetzungsvermögen und Kompromissbereitschaft zu finden. Und bleiben Sie die ganze Zeit über fair und kollegial. Gerade als angehende Führungsperson sollten Sie nicht durch schlechtes und unfaires Benehmen auffallen!

Einzelinterview

Das Einzelinterview ist im Prinzip ein klassisches Vorstellungsgespräch. Das Ziel ist, Sie als Peron kennenzulernen und etwas über Ihre Motivation für die Tätigkeit im höheren Polizeivollzugsdienst zu erfahren. Auch Ihr Auftreten und Ihre kommunikativen Fähigkeiten fließen in die Bewertung ein.

Tipp zum Einzelinterview

Bei einem Vorstellungsgespräch werden typische Fragen gestellt, die Sie im Vorfeld durchspielen können, um sich auf das Interview vorzubereiten. Aber lernen Sie Ihre Antworten nicht auswendig. Denn wenn Ihre Aussagen einstudiert wirken, sind sie wenig überzeugend und provozieren nur unnötige Nachfragen.

Polizeiärztliche Untersuchung

Ob Sie aus gesundheitlicher Sicht für den höheren Polizeivollzugsdienst geeignet sind, wird bei der polizeiärztlichen Untersuchung ermittelt. Zum umfassenden Medizin-Check gehören im Normalfall

  • eine allgemeine Untersuchung,
  • ein Sehtest,
  • ein Hörtest,
  • ein EKG und ein Lungenfunktionstest sowie
  • eine labortechnische Untersuchung inklusive Drogentest.

Sollte der Polizeiarzt für seine Einschätzung zu Ihrer Polizeidiensttauglichkeit weitere Befunde benötigen, wird er zusätzliche Untersuchungen anordnen. Sofern diese Untersuchung nicht intern durchgeführt werden können, wird er Sie dafür zum entsprechenden Facharzt schicken. Den Befundbericht müssen Sie dann nachreichen.

Tipp zur polizeiärztlichen Untersuchung

Vor allem das Belastungs-EKG wird oft unterschätzt. Dabei können Sie sich darauf vorbereiten, indem Sie ein paar zusätzliche Ausdauer-Trainingseinheiten einlegen.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss

Der Einstellungstest folgt dem K.O.-Prinzip. Für Sie bedeutet das, dass Sie jeden einzelnen Testbaustein erfolgreich meistern müssen. Nur wenn Sie einen Einzeltest bestanden haben, können Sie am nächsten Einzeltest teilnehmen. Schaffen Sie die Mindestanforderungen hingegen nicht, gilt der ganze Einstellungstest als nicht bestanden und Sie scheiden aus dem laufenden Auswahlverfahren aus.