Auswahlverfahren Nordrhein-Westfalen

Der Einstellungstest in NRW ist anspruchsvoll – bereiten Sie sich deshalb gut vor!

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen bietet Ihnen nicht nur einen krisensicheren und spannenden Job, sondern auch viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Doch mit dem Einstellungstest haben Sie eine ganz schöne Herausforderung vor sich. Denn das Auswahlverfahren ist umfangreich und stellt Sie in unterschiedlichen Bereichen auf die Probe.

Andererseits ist alles halb so wild, wenn Sie wissen, was auf Sie zukommt. Und damit Sie sich optimal vorbereiten können, haben wir alles Wichtige und Wissenswerte zum Einstellungstest in NRW für Sie zusammengestellt!

Einstellungstest Polizei Nordrhein-Westfalen: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Dem Einstellungstest geht das Bewerbungsverfahren voraus. Dabei erledigen Sie einen Teil der Bewerbung online und den anderen Teil schriftlich.
  • Liegt Ihre Bewerbung vor, findet eine Vorauswahl statt.
  • Das Auswahlverfahren verteilt sich auf drei Tage und zwei verschiedene Standorte.
  • Am ersten Prüfungstag machen Sie einen PC-Test in Münster.
  • Für das Assessment-Center am zweiten Prüfungstag werden Sie in eine Ausbildungsbehörde eingeladen.
  • Der dritte Prüfungstag findet wieder in Münster statt und beinhaltet die Untersuchung durch den Polizeiarzt.
  • Sie müssen jeden Abschnitt des Auswahlverfahrens bestehen. Andernfalls endet der Einstellungstest an diesem Punkt für Sie.

Jedes Jahr am 1. September geht’s los: Die Ausbildung an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung im Fachbereich Polizeivollzugsdienst beginnt. Wobei es eigentlich gar keine Ausbildung im klassischen Sinne ist. Vielmehr ist es ein Studiengang, der drei Jahre dauert und mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts endet. Außerdem werden Sie zum Polizeikommissar ernannt.

Das Studium ist ein sogenanntes duales Studium. Sie büffeln also nicht nur Theorie an der Fachhochschule. Sondern Sie nehmen auch an verschiedenen Übungen in den Trainingszentren teil und sammeln erste Erfahrungen im Streifendienst. Die praktischen Teile der Ausbildung finden in einer Ausbildungsbehörde statt. Haben Sie Ihren Abschluss in der Tasche, arbeiten Sie zunächst im Wachdienst bei einer Kreispolizeibehörde. Je nachdem, in welcher Polizeiinspektion Sie eingesetzt werden, können Sie nach einiger Zeit auch zur Bereitschaftspolizei wechseln.

Haben Sie dann ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt, stehen in viele Möglichkeiten offen. Ob Streifendienst, Ermittlungsdienst, Einsatzhundertschaft, Spezialeinheit oder Ausbilder: Es liegt an Ihnen, wie Sie Ihre Karriere gestalten.

Klingt ziemlich gut, oder?! Nur ganz so einfach ist es leider doch wieder nicht. Denn bevor Sie in Ihre Ausbildung starten können, müssen Sie erst einmal das Auswahlverfahren meistern. Wie das abläuft und was Sie beim Einstellungstest erwartet, erklären wir Ihnen jetzt!

Die Einstellungsvoraussetzungen bei der Polizei NRW

Bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen werden Sie zum Polizeikommissar ausgebildet. Das bedeutet, dass Sie in den gehobenen Dienst einsteigen. Und als Polizist treten Sie in ein Beamtenverhältnis ein. Zusammen mit den Herausforderungen, die der Polizeiberuf so mit sich bringt, ergeben sich daraus einige formale Anforderungen. Diese Anforderungen werden auch als Einstellungsvoraussetzungen bezeichnet. Denn Sie können nur dann in den Polizeivollzugsdienst eingestellt werden, wenn Sie die formalen Voraussetzungen erfüllen. Dabei gelten bei der Polizei NRW folgende Anforderungen:

  • Sie haben die deutsche Staatsangehörigkeit oder sind Staatsbürger eines EU-Landes.
  • Am Einstellungstermin – das ist jeweils der 1. September eines Jahres – sind Sie höchstens 37 Jahre alt.
  • Sie haben einen Bildungsabschluss, der Sie dazu berechtigt, an der Fachhochschule zu studieren.
  • In der Schule hatten Sie mindestens sechs Jahre lang Englisch. Oder Sie können Englischkenntnisse nachweisen, die dem Level B1 vom europäischen Referenzrahmen entsprechen. Das Level B1 ist auf dem Leistungsstand der 10. Klasse angesiedelt.
  • Sie sind mindestens 163 cm groß.
  • Ihr Body-Maß-Index liegt zwischen 18 und 27,5.
  • Gegen Sie läuft kein Straf- oder Ermittlungsverfahren und Sie sind nicht vorbestraft.
  • Sie haben den Führerschein der Klasse B (für Fahrzeuge mit Schaltgetriebe).
  • Als Nachweise für Ihre sportliche Leistungsfähigkeit bringen Sie zum einen das Deutsche Sportabzeichen mindestens in Bronze mit. Zum anderen haben Sie das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Bronze oder das Deutsche Schwimmabzeichen in Gold.
  • Sie leben in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen.
  • Jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten, ist für Sie selbstverständlich.
  • Und zu guter Letzt: Sie bestehen den Einstellungstest.

Ein Wort zur Staatsangehörigkeit

Grundsätzlich ist eine Berufung in das Beamtenverhältnis nur möglich, wenn Sie die deutsche Staatsangehörigkeit haben oder Staatsbürger eines EU-Mitgliedsstaates sind. Für den Polizeidienst gibt es aber Ausnahmeregelungen. So können auch Angehörige anderer Staaten Polizeibeamte werden, wenn ein dringendes dienstliches Bedürfnis daran besteht, den Bewerber für die Polizei zu gewinnen. Diese Bedingung ist normalerweise erfüllt, wenn

  • der Bewerber das Auswahlverfahren bestanden hat,
  • die entsprechende Nationalität mit einem hohen Anteil an der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen vertreten ist,
  • eine Aufenthalts- und Niederlassungserlaubnis für Deutschland vorhanden ist und
  • der Bewerber sowohl Deutsch als auch seine Heimatsprache spricht.

Wenn Sie keinen deutschen oder EU-Pass haben, aber gerne zur Polizei möchten, fragen Sie also ruhig bei der Einstellungsberatung nach. Dort bekommen Sie die Info, ob Sie sich bewerben können.

Kurz zur Schulbildung

Eine Ausbildung bei der Polizei in NRW setzt voraus, dass Sie an der Fachhochschule studieren können. Die notwendige Berechtigung haben Sie, wenn Sie zum Zeitpunkt der Einstellung über

  • das Abitur oder
  • die volle Fachhochschulreife, also den schulischen und den praktischen Teil,

verfügen. Daneben können Sie den Bachelor-Studiengang beginnen, wenn Sie eine abgeschlossene Berufsausbildung und praktische Berufserfahrung mitbringen. Die genauen Voraussetzungen in diesem Fall können Sie in allen Einzelheiten auf dem Bewerbungsportal nachlesen.

Das Bewerbungsverfahren der Nordrhein-westfälischen Polizei

Ablauf Bewerbung NRW

Das Bewerbungsverfahren bei der Polizei NRW im Überblick

Der erste Schritt auf Ihrem Weg zu einer Karriere bei der Polizei NRW ist die Bewerbung. Dabei setzt die Polizei auf eine Mischung aus Online-Bewerbung und schriftlicher Bewerbung. Das Bewerbungsverfahren wiederum folgt einem festen Ablauf. Was das bedeutet? Gehen Sie am besten wie folgt vor:

1. Bereiten Sie Ihre Bewerbung vor.

Schauen Sie sich die Internetseiten www.genau-mein-fall.de oder www.polizeibewerbung.nrw.de an. Dort finden Sie alle wichtigen Infos über den Polizeiberuf und das Auswahlverfahren in Nordrhein-Westfalen. Stellen Sie dann die Unterlagen zusammen, die Sie für Ihre Bewerbung brauchen. Welche Unterlagen das sind und ob Sie alles zusammenhaben, können Sie mit der Checkliste kontrollieren.

2. Legen Sie ein Bewerbungskonto an.

Haben Sie Ihre Bewerbung vorbereitet, legen Sie sich als nächstes ein Bewerbungskonto an. Dieses Konto brauchen Sie zum einen für Ihre Online-Bewerbung. Zum anderen läuft die weitere Kommunikation mit der Polizei über Ihr Bewerbungskonto.

Wenn Sie Ihre E-Mail-Adresse eingegeben haben, wird Ihnen ein Bestätigungscode zugeschickt. Mit diesem Code müssen Sie Ihr Bewerbungskonto bestätigen. Erst dann ist das Konto aktiviert und Sie können sich bewerben.

3. Bewerben Sie sich online.

Nachdem Sie Ihr Bewerbungskonto anlegt und bestätigt haben, können Sie sich online bewerben. Dazu füllen Sie das Bewerbungsformular aus. Ihre Angaben können Sie aber nicht speichern und später ergänzen. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie alle wichtigen Daten zur Hand haben.

Ist alles ausgefüllt, schicken Sie das Formular ab. Danach öffnet sich ein Textfeld, das den Eingang Ihrer Online-Bewerbung bestätigt. Sollte sich das Feld nicht öffnen, hat die Übertragung nicht geklappt. In diesem Fall sollten Sie das Formular noch einmal ausfüllen. Sie können sich aber auch an die Bewerberbetreuung wenden. Im Laufe des Tages bekommen Sie eine automatische E-Mail in Ihren Nachrichtenbereich, die den Eingang Ihrer Bewerbung noch einmal bestätigt.

Aber Achtung: Bei der Polizei in NRW können Sie sich nicht das ganze Jahr über bewerben. Vielmehr gibt es Bewerbungsfristen. Meist läuft der Bewerbungszeitraum für den Einstellungstermin im Folgejahr von Mai bis Oktober des Vorjahres. Die genauen Zeitfenster stehen auf der Internetseite. Ist gerade keine Bewerbung möglich, steht ein entsprechender Hinweis direkt über dem Bewerbungsformular.

4. Geben Sie Ihre schriftliche Bewerbung ab.

Ab dem Abschicken Ihrer Online-Bewerbung haben Sie zwei Wochen lang Zeit, um Ihre schriftliche Bewerbung an die Polizei zu schicken. Die schriftliche Bewerbung umfasst zum einen Bewerbungsvordrucke, die Sie herunterladen und ausfüllen müssen. Zum anderen brauchen Sie persönliche Dokumente und ärztliche Unterlagen. Aber keine Sorge: Das alles ist in den Formularen genau erklärt. Und reichen Sie bitte nur Kopien, keine Originale ein. Denn die Unterlagen können Ihnen nicht zurückgeschickt werden.

Achten Sie darauf, dass Sie die zweiwöchige Frist einhalten. Andernfalls geht die Polizei davon aus, dass Sie sich doch nicht bewerben möchten. Sie scheiden dadurch automatisch aus dem Bewerbungsverfahren aus.

5. Haben Sie Geduld.

Dass Ihre Bewerbung eingegangen ist, bestätigt Ihnen die Polizei per E-Mail. Und dann müssen Sie abwarten. Denn die Polizei prüft, ob Ihre Unterlagen komplett sind und ob Sie die formalen Einstellungsvoraussetzungen erfüllen. Ist das der Fall, werden Sie zum Einstellungstest eingeladen. Damit haben Sie die erste Hürde im Auswahlverfahren schon einmal erfolgreich genommen.

Bis zur Einladung kann es aber eine ganze Weile dauern. Machen Sie sich also keine Sorgen, wenn Sie wochenlang nichts von der Polizei hören. Bei der Vielzahl an Bewerbungen, die regelmäßig eingehen und gesichtet werden müssen, ist das nicht ungewöhnlich. Früher oder später werden Sie Ihre Einladung bekommen! Und: Sie sind grundsätzlich solange im Auswahlverfahren, bis Sie eine schriftliche Zusage oder Absage bekommen haben. Bleiben Sie also geduldig.

Der Einstellungstest der Polizei Nordrhein-Westfalen

Das Auswahlverfahren setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Der erste Baustein ist die Vorauswahl. Vorauswahl bedeutet, dass die Polizei Ihre Bewerbungsunterlagen prüft. Sollten Unterlagen fehlen, werden Sie gebeten, diese Dokumente nachzureichen.

Ist alles komplett und erfüllen Sie die formalen Einstellungsvoraussetzungen, werden Sie zum Einstellungstest eingeladen.

Einstellungstest Polizei Nordrhein-Westfalen

Der Einstellungstest gliedert sich in mehrere Abschnitte.

Die Einladung zur Teilnahme am Auswahlverfahren bekommen Sie per E-Mail vom Bildungszentrum Münster des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen, kurz LAFP NRW. Und in diesem Bildungszentrum findet auch der erste Prüfungstag statt.

Der PC-Test am ersten Prüfungstag

Am ersten Prüfungstag kommen Sie nach Münster und nehmen an einem PC-Test teil. Genaugenommen sind es sogar zwei PC-Tests. Aber der Reihe nach!

1. PC-Test

Der eigentliche Einstellungstest beginnt mit einem PC-Test. Er dauert ungefähr zwei Stunden und testet Ihre Deutschkenntnisse, Ihr logisches und analytisches Denkvermögen und Ihr Gedächtnis. Dafür müssen Sie Aufgaben aus verschiedenen Bereichen lösen.

  • Wortanalogien – das sind Gleichungen mit Wörtern,
  • Fragen zu Rechtschreibung und Zeichensetzung,
  • Figuren- und Zahlenreihen,
  • Matrizen – das sind Felder mit Symbolen,
  • Syllogismen – dahinter verbergen sich Schlussfolgerungen, oder
  • Merkaufgaben

sind Beispiele für Aufgaben, mit denen Sie rechnen sollten. Dabei werden die Fragen als sogenannte Multiple-Choice-Aufgaben gestellt. Sie bekommen also zu jeder Frage mehrere Antwortmöglichkeiten und müssen die richtige Lösung auswählen.

Auf den PC-Test können Sie sich gut vorbereiten. Auf unserer Seite finden Sie Übungsaufgaben und -tests zu allen Themenbereichen und Aufgabentypen. Weitere Trainingsmöglichkeiten finden Sie im Internet. Und im Buchhandel können Sie sich Fachliteratur besorgen.

Formalgespräch

Haben Sie den Test am Computer beendet, findet ein Formalgespräch statt. Dabei gehen die Prüfer Ihre Bewerbungsunterlagen mit Ihnen durch und besprechen noch offene Punkte. Außerdem klären sie mit Ihnen formale Fragen, beispielsweise ob Sie Tätowierungen haben oder ob ein Strafverfahren gegen Sie läuft. Das Gespräch fließt nicht in die Wertung ein. Es geht wirklich nur darum, Formales zu klären.

In der Zwischenzeit wird der PC-Test ausgewertet. Und Sie erfahren Ihr Ergebnis: Haben Ihre Leistungen nicht ausgereicht, sind Sie leider durchgefallen. Damit ist der Einstellungstest beendet. Haben Sie bestanden, geht es mit dem zweiten PC-Test weiter.

2. PC-Test

Beim zweiten Test, der wieder computergestützt durchgeführt wird, geht es um Ihre Konzentrationsfähigkeit, Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Reaktionsschnelligkeit. Dieser Test, der auch als Wiener Test bekannt ist, läuft etwas anders ab als der erste Test. Das fängt schon damit an, dass Sie keine Tastatur, sondern ein Bedienfeld mit Tasten und Knöpfen vor sich haben. Außerdem gibt es zwei Fußpedale und Sie setzen einen Kopfhörer auf. Typische Aufgaben sind dann beispielsweise diese:

  • Verkehrssituationen: Etwa eine Sekunde lang wird eine Verkehrssituation eingeblendet. Danach müssen Sie eine Frage dazu beantworten, etwa wie viele Verkehrsteilnehmer zu sehen waren, wer Vorfahrt hat oder wer sich falsch verhält.
  • Liniengewirr: Sie müssen in einem Gewirr einer Linie folgen und angeben, zu welcher Zahl diese Linie führt.
  • Symbole: Ein Symbol wird vorgegeben und dazu werden vier weitere Symbole angezeigt. Welche beiden Symbole stimmen überein?
  • Bilder merken: Für eine kurze Zeit wird ein Bild eingeblendet. Anschließend sehen Sie verschiedene Gegenstände. Welche davon waren auf dem Bild zu sehen?
  • Reaktion: Auf dem Bildschirm erscheinen Symbole, über die Kopfhörer hören Sie Töne. Mit einem Finger halten Sie eine Ruhetaste gedrückt. Wenn eine bestimmte Symbol-Ton-Kombination auftaucht, lassen Sie die Ruhetaste los und drücken eine andere Taste. Bewertet wird Ihre Reaktionszeit.
  • Konzentration: Über den Kopfhörer hören Sie Töne, auf dem Bildschirm erscheinen Lichtsignale. Sie müssen darauf reagieren, indem Sie in der vorgegebenen Form auf Tasten drücken und die Fußpedale bedienen.

Wichtig bei diesem Test ist, dass Sie ruhig und konzentriert bleiben. Lassen Sie sich nicht verunsichern, weder vom Gerät noch von den Aufgaben und dem Zeitdruck. Der Test ist so angelegt, dass er Sie in eine Stresssituation bringen soll. Und es gibt vermutlich niemanden, der alle Aufgaben in der Zeit fehlerfrei schafft.

Nach dem Test wird Ihr Ergebnis ausgewertet. Haben Sie bestanden, sind Sie weiterhin im Rennen. Waren Sie nicht erfolgreich, scheiden Sie aus dem laufenden Auswahlverfahren aus.

Das Assessment-Center am zweiten Prüfungstag

Haben Sie den ersten Prüfungstag gemeistert, werden Sie von einer der Einstellungs- und Ausbildungsbehörden zum zweiten Testtag eingeladen. Je nach Ihrem Wohnort kann das die Behörde in Aachen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Hagen, Köln oder Münster sein. Die Einladung bekommen Sie wieder per E-Mail.

Am zweiten Prüfungstag haben Sie ein Assessment-Center vor sich, das insgesamt vier Abschnitte umfasst. Dabei stehen vor allem Ihre kommunikativen Fähigkeiten und Ihre sozialen Kompetenzen auf dem Prüfstand.

1. Rollenspiel

Den Anfang macht ein Rollenspiel. Ein ausgebildeter Polizist schlüpft dabei in die Rolle Ihres Gegenspielers. Mit ihm müssen Sie ein Konfliktgespräch zu einem vorgegebenen Thema führen. Inhaltlich handelt es sich bei dem Konflikt um eine Szene, die so jederzeit auch im Polizeialltag vorkommen kann. Das Rollenspiel dauert ungefähr fünf Minuten.

Vortrag

Nach dem ersten Rollenspiel wird Ihnen ein aktuelles Alltagsthema genannt. Sie haben dann 15 Minuten lang Zeit, um sich Gedanken zu dem Thema zu machen und einen kurzen Vortrag vorzubereiten. Kurz meint, dass Ihr Vortrag etwa fünf Minuten lang dauern soll. Ihren Vortrag halten Sie vor der Prüfungskommission. Sind Sie fertig, stellen Ihnen die Prüfer noch zwei Fragen zu dem Thema, das Sie behandelt haben.

2. Rollenspiel

Als nächstes folgt das zweite Rollenspiel. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Postkorbübung. Sie stellen sich dazu vor, dass Sie in der Führungsstelle eines Polizeipräsidiums arbeiten. Ähnlich wie in einem Sekretariat müssen Sie nun Briefe, Notizen und Nachrichten bearbeiten, Telefonanrufe entgegennehmen und Auskünfte erteilen.

Interview

Der letzte Abschnitt vom Assessment-Center ist ein Interview. Das Interview ähnelt einem typischen Vorstellungsgespräch. Die Prüfer möchten Sie kennen lernen und interessieren sich für Ihren bisherigen Werdegang. Außerdem geht es darum, warum Sie Polizist werden möchten, welche Erwartungen Sie an den Beruf haben und wie gut Sie über die Polizei informiert sind.

Wie schon am ersten Prüfungstag wird Ihnen am Ende des zweiten Prüfungstages mitgeteilt, wie Sie abgeschnitten haben. Waren Sie erfolgreich, geht das Auswahlverfahren für Sie weiter. Falls nicht, haben Sie den Einstellungstest leider nicht bestanden und scheiden aus dem weiteren Verfahren aus.

Die polizeiärztliche Untersuchung am dritten Prüfungstag

Ist auch das Assessment-Center gut gelaufen, bekommen Sie einige Zeit später die Einladung für den dritten Prüfungstag. Dafür fahren Sie wieder nach Münster. Und dort erfolgt die Untersuchung durch den Polizeiarzt. Die Untersuchung soll sicherstellen, dass Sie polizeidiensttauglich sind. Das ist der Fall, wenn bei Ihnen keine Erkrankungen oder gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen, die jetzt oder langfristig gegen eine Tätigkeit als Polizist sprechen.
Im Rahmen der polizeiärztlichen Untersuchung stehen unter anderem

  • ein Seh- und ein Hörtest,
  • die Messung Ihrer körperlichen Belastbarkeit durch ein Belastungs-EKG,
  • das Ermitteln von Körpergröße und Body-Maß-Index und
  • eine allgemeine ärztliche Untersuchung

auf dem Programm. Es kann sein, dass der Polizeiarzt feststellt, dass Sie weitere Befunde von einem Facharzt einholen müssen. Das wird der Polizeiarzt aber mit Ihnen absprechen.

Mit dem medizinischen Check ist der Einstellungstest zunächst einmal abgeschlossen. Zumindest gilt das für die Prüfungs-Bausteine, die Sie absolvieren.

Kein Sporttest?

Vielleicht werden Sie sich fragen, wo der Sporttest geblieben ist. Schließlich gehört die Sportprüfung in den meisten Bundesländern zum Auswahlverfahren dazu. In Nordrhein-Westfalen ist das nicht der Fall. Zwar müssen Sie auch in NRW körperlich fit und sportlich sein. Die Polizei prüft das aber nicht selbst. Stattdessen müssen Sie Ihre sportliche Leistungsfähigkeit durch die Vorlage von Sportabzeichen nachweisen.

Dafür brauchen Sie zum einen das Deutsche Sportabzeichen mindestens in Bronze. Die Prüfung darf höchstens zwei Jahre zurückliegen. Und im Bereich Ausdauer müssen Sie

  • einen 800-Meter-Lauf oder einen Dauerlauf, wenn Sie unter 18 Jahre alt sind,
  • einen 3000-Meter-Lauf oder einen 10.000-Meter-Lauf, wenn Sie über 18 Jahre alt sind,

absolviert haben. Als Nachweis reicht eine beglaubigte Kopie der Prüfkarte aus. Die Urkunde müssen Sie nicht vorlegen.

Zum anderen benötigen Sie das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen mindestens in Bronze oder das Deutsche Schwimmabzeichen in Gold. Sind Sie noch nicht volljährig, legen Sie das Deutsche Jugendschwimmabzeichen in Gold vor. Ihr Schwimmnachweis darf maximal drei Jahre alt sein.

Die Nachauswahl

Wenn Sie das Auswahlverfahren bis hierhin erfolgreich durchlaufen haben, findet die sogenannte Nachauswahl statt. Dafür schaut sich die Polizei Ihre Bewerbungsunterlagen noch einmal an und prüft, ob alles vollständig ist. Je nachdem, wie Ihre Leistungen beim Einstellungstest waren, informiert Sie die Polizei außerdem darüber, wie Ihre Chancen auf eine Einstellung stehen.

Der Rangordnungswert

Bei jedem Baustein vom Einstellungstest müssen Sie bestimmte Mindestanforderungen erfüllen. Und sowohl beim PC-Test als auch beim Assessment-Center werden diese geforderten Mindestleistungen durch den sogenannten Randordnungswert, kurz ROW, ausgedrückt. Dabei muss der ROW in diesen beiden Abschnitten bei mindestens 85 liegen. Andernfalls scheiden Sie aus dem Auswahlverfahren aus.

Andersherum ist Ihr ROW natürlich umso höher, je besser Ihre Leistungen waren. Gleichzeitig entscheidet Ihr ROW darüber, auf welchem Platz in der Rangliste Sie landen. Klar, dass eine gute Platzierung in der Rangliste Ihre Chancen auf eine Zusage erhöht.

Ab März eines Einstellungsjahres können Sie auf dem Bewerberportal nachschauen, wo in der Rangliste Sie stehen. Dazu geben Sie Ihren ROW ein. Anschließend wird Ihnen Ihre Platzierung angezeigt. Die endgültige Rangliste steht aber erst fest, wenn alle Bewerber am Auswahlverfahren teilgenommen haben. Bis September, wenn die Ausbildung beginnt, kann sich Ihre Platzierung also immer wieder ändern.

Zusage oder Absage

Sie können sich über eine Zusage freuen, wenn

  • Sie den Einstellungstest bestanden haben,
  • der Polizeiarzt Ihre Polizeidiensttauglichkeit bestätigt hat und
  • Ihre Platzierung in der Rangliste für eine Einstellung ausreicht.

Die Polizei schickt Ihnen die Einstellungszusage dann schriftlich zu. In dem Schreiben finden Sie alle Informationen, die Sie brauchen. Und am 1. September starten Sie Ihre polizeiliche Karriere als Polizeikommissar-Anwärter!

Und wenn es nicht geklappt hat?

Natürlich kann es passieren, dass Sie den Einstellungstest nicht bestehen. Oder dass Sie zwar bestanden haben, Ihre Ranglistenplatzierung aber für eine Einstellung nicht ausreicht. In diesem Fall können Sie sich für die Einstellung im nächsten Jahr neu bewerben. Sie durchlaufen das Auswahlverfahren in diesem Fall noch einmal vorn vorne.

Eine Ausnahme gibt es aber: Wenn Ihr ROW so ausgefallen ist, dass Sie die Platzierung für eine Einstellung nur ganz knapp verpasst haben, können Sie Ihren ROW behalten und für das nächste Einstellungsjahr mitnehmen. Gleiches gilt, wenn Sie eine Einstellungsplatzierung erreicht haben, Ihr Studium aber lieber erst im nächsten Jahr beginnen möchten. Sie müssen dann nicht mehr den kompletten Einstellungstest wiederholen. Stattdessen geben Sie nur Ihre Online-Bewerbung ab und kommen zur polizeiärztlichen Untersuchung.