Aktualisiert am 18. Juni 2020 von Ömer Bekar

Das Auswahlverfahren der Polizei umfasst verschiedene Prüfungsbausteine. Und in einige dieser Prüfungsbausteine sind psychologische Tests integriert. Das gilt beispielsweise für das Einzelinterview.

Um unter Beweis zu stellen, dass Sie das Zeug zum Polizisten haben, müssen Sie ein umfangreiches Auswahlverfahren meistern. Dieses Eignungsauswahlverfahren setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Da gibt es beispielsweise den PC-Test, bei dem es um Ihre kognitiven Fähigkeiten und somit um Ihr geistiges Leistungsvermögen geht. Ein anderer Prüfungsbaustein ist der Sporttest, der Ihre körperliche Fitness prüft. Bei der polizeiärztlichen Untersuchung wiederum wird untersucht, ob Sie aus gesundheitlicher Sicht für den Polizeidienst geeignet sind. Und dann ist da noch das Einzelinterview. Es wird auch als Einzelgespräch oder Vorstellungsgespräch bezeichnet. Doch das Einzelinterview bei der Polizei unterscheidet sich von den klassischen Bewerbungsgesprächen, die Sie vielleicht von anderen Unternehmen kennen.

Das Einzelinterview wird strukturiert durchgeführt

Das Einzelgespräch bei der Polizei wird als strukturiertes Einzelinterview durchgeführt. Diese Form des Gesprächs wird auch standardisiertes Bewerbungsgespräch genannt. Dabei kennzeichnet sich ein strukturiertes oder standardisiertes Einzelgespräch dadurch, dass

  • die Fragen, die gestellt werden, vorher schon feststehen,
  • die Reihenfolge der Fragen festgelegt ist,
  • der Wortlaut der Fragen und Erläuterungen stets gleich ist und
  • allen Bewerbern exakt dieselben Fragen in genau der gleichen Reihenfolge gestellt werden.

Die Prüfer arbeiten dazu mit einem sogenannten Interviewleitfaden. Der Interviewleitfaden ist eine Liste, auf der die Fragen formuliert sind. Dabei sind die Fragen so zusammengestellt, dass alle für den Beruf relevanten Aspekte angesprochen werden. Die Prüfer gehen den Interviewleitfaden im Gespräch Frage für Frage mit Ihnen durch. Zusätzlich dazu haben die Prüfer ein Bewertungsformular vor sich. Auf diesem Formular machen sie sich Notizen und tragen die Bewertungen Ihrer Antworten ein, meist anhand einer Skala mit Punkten oder Noten.

Verglichen mit einem freien Vorstellungsgespräch wirkt ein strukturiertes Einzelinterview oft etwas steifer und strenger. Denn weder die Prüfer noch Sie selbst können Einfluss darauf nehmen, wie sich das Gespräch entwickelt. Stattdessen wird der Fragenkatalog Punkt für Punkt abgearbeitet. Auf der anderen Seite ergibt sich daraus der Vorteil, dass die Rahmenbedingungen für alle Bewerber gleich sind. Persönliche Sympathien fallen viel weniger ins Gewicht. Und weil nicht nur die Fragen stets gleich sind, sondern auch für die Bewertung der Antworten feste Standards gelten, kann das Gespräch objektiver beurteilt werden.

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Das Einzelinterview beinhaltet einen psychologischen Test

Bei dem Einzelgespräch möchte die Polizei Sie als Person kennenlernen und etwas über Ihre Motivation für die Tätigkeit als Polizist erfahren. Außerdem möchte sich die Polizei ein Bild von Ihrer Persönlichkeit machen, um so beurteilen zu können, ob Sie auch in persönlicher Hinsicht für den Polizeidienst geeignet sind. Aus diesem Grund ist in das Einzelinterview eine Art psychologischer Test eingebaut.

Das Einzelinterview beginnt, wie fast jedes Bewerbungsgespräch, mit Ihrer Selbstpräsentation. Anschließend folgen ein paar Fragen zu Ihrem bisherigen Werdegang, zu Ihrem Berufswunsch und zu Ihrem Wissen über die Polizei. Auch ein paar klassische Standardfragen, beispielsweise nach Ihren Stärken und Schwächen, können gestellt werden. Danach fängt der psychologische Testteil an. Und dabei erwarten Sie im Wesentlichen zwei Fragetypen, nämlich zum einen verhaltensbezogene Fragen und zum anderen situative Fragen.

Verhaltensbezogene Fragen

Verhaltensbezogene Fragen beziehen sich auf konkrete Situationen, die Sie schon erlebt haben. Ihnen wird dazu eine Situation genannt. Sie müssen sich daraufhin ein Beispiel überlegen und schildern, wie Sie sich damals verhalten haben. Entscheidend dabei ist, dass Sie Ihr Verhalten so präzise wie möglich schildern. Außerdem ist wichtig, dass Sie ein Beispiel finden, das Sie so tatsächlich erlebt haben. Denn bei den Fragen geht es um Ihr konkretes Verhalten in dieser einen, speziellen Situation, und nicht darum, wie Sie sich im Allgemeinen verhalten würden. Verhaltensbezogene Fragen lauten beispielsweise so:

  • Wie haben Sie sich auf den Einstellungstest vorbereitet?
  • Mussten Sie schon einmal Ihre Eltern von einer Idee oder einem Vorhaben überzeugen?
  • Haben Sie schon einmal eine Party organisiert?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Teamarbeit gemacht?
  • Mussten Sie schon einmal einen Plan aufgeben, weil er nicht funktioniert hat?
  • Haben Sie einem Freund schon einmal aus einer schwierigen Lage herausgeholfen?

Sie müssen nicht versuchen, sich ein möglichst gutes Beispiel einfallen zu lassen. Nehmen Sie ruhig das Beispiel, das Ihnen spontan einfällt, und schildern Sie die damalige Situation.

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Situative Fragen

Situative Fragen basieren auf einem ähnlichen Prinzip wie die verhaltensbezogenen Fragen. Der Unterschied ist, dass Sie sich bei den situativen Fragen in fiktive Situationen hineinversetzen müssen. Es geht also nicht um Situationen, die Sie bereits erlebt haben. Sondern Ihnen wird eine Situation genannt, die Sie sich vorstellen müssen. In Ihrer Antwort müssen Sie erläutern, wie Sie sich in der genannten Situation verhalten würden. Die Situationen, die Ihnen vorgegeben werden, beschreiben üblicherweise Szenarien aus dem Polizeialltag. Sie werden also dazu aufgefordert, sich in die Rolle eines Polizisten hinzuversetzen und zu erklären, wie Sie die Situation lösen würden.

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Damit Sie sich das Ganze besser vorstellen können, hier ein Beispiel, wie eine situative Frage lauten könnte:

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Ihrem Kollegen auf Streife. Dabei fällt Ihnen ein offensichtlich betrunkener Mann auf, der gerade im Begriff ist, in sein Auto zu steigen. Was tun Sie?“

Bei Ihrer Antwort ist wichtig, dass Sie Ihre Vorgehensweise möglichst genau ausführen. Erklären Sie Schritt für Schritt, wie Sie vorgehen würden. Die ausführliche Erklärung ist notwendig, damit die Prüfer Ihre Gedankengänge nachvollziehen können.

Wie Sie die Verhaltensfragen am besten beantworten

Durch die Verhaltensfragen, egal ob auf eine vergangene Situation bezogen oder ob als situative Frage, können gezielte Merkmale abgefragt werden. Bei diesen Merkmalen kann es sich um Arbeitsweisen, Aspekte des Sozialverhaltens, Eigenschaften oder Charakterzüge handeln. Dabei haben die Antworten auf verhaltensbezogene Fragen insgesamt eine etwas größere Aussagekraft. Denn das Verhalten, das Sie in einer tatsächlich erlebten Situation gezeigt haben, erlaubt eine bessere Vorhersage und sicherere Einschätzung als Verhaltensweisen, von denen Sie in vorgestellten Situationen ausgehen. Um sich ein Gesamtbild machen zu können, werden aber beide Fragearten kombiniert.

Doch was heißt das für Sie? Wie können Sie die Fragen am besten beantworten? Zunächst einmal sollten Sie versuchen, spontane Antworten zu vergeben. Denken Sie nicht großartig darüber nach, auf welches Merkmal die Frage abzielen könnte. Die Fragen sind so formuliert, dass Sie nicht erkennen können, welches die Information ist, die die Prüfer interessiert. Statt sich in Analysen zu versuchen, sollten Sie sich deshalb lieber auf Ihre Antwort konzentrieren. Und dabei sollten Sie Ihre Antwort nach dem Schema Ziel – Methode – Ergebnis aufbauen:

  • Ziel: Gehen Sie zunächst in zwei, drei Sätzen auf die Situation ein. Beschreiben Sie dabei auch, welche Motivation Sie haben oder was Sie erreichen wollen. Skizzieren Sie also kurz das Ziel, das Sie verfolgen.
  • Methode: Erläutern Sie anschließend, welchen Lösungsweg Sie wählen, um Ihr Ziel zu erreichen. Was unternehmen Sie? Wie gehen Sie vor? Welche Maßnahmen führen Sie durch? Und welche Schwierigkeiten müssen Sie dabei überwinden? Beschreiben Sie also, welche Methode Sie wählen, um die Situation zu meistern.
  • Ergebnis: Zum Schluss benennen Sie das Ergebnis, das Sie durch den gewählten Lösungsweg erreicht haben.
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Durch eine Antwort, die nach diesem Schema aufgebaut ist, schildern Sie nicht nur präzise Ihr Verhalten. Sondern Sie zeigen gleichzeitig auch auf, dass Sie strukturiert und zielorientiert vorgehen. Außerdem hilft Ihnen das Schema dabei, die Fragen schnell, logisch und nachvollziehbar zu beantworten.

Aber warum eigentlich mündlich und nicht schriftlich?

Sie fragen sich vielleicht, warum die Polizei den psychologischen Test mündlich und nicht schriftlich durchführt. Dazu sei zunächst einmal gesagt, dass es durchaus Auswahlverfahren gibt, bei denen Sie auch schriftliche Persönlichkeitstests meistern müssen. Davon abgesehen, liefert ein mündlicher Test der Polizei zuverlässigere Ergebnisse. Warum? Wenn Sie einen Fragebogen ausfüllen, können Sie sich beim Ankreuzen mehr Zeit lassen und Ihre Antworten besser abwägen. Außerdem könnten Sie im Prinzip auch Antworten auswählen, die Sie für vorteilhaft halten, die aber gar nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Im Gespräch hingegen müssen Sie spontaner antworten und können sich weit weniger gut verstellen. Aus diesem Grund sind die Antworten authentischer.

Sie können sich auf den psychologischen Test vorbereiten

Insbesondere Verhaltensfragen beinhalten immer ein gewisses Überraschungsmoment. Da Sie nicht wissen können, welche Situationen Ihnen genannt werden, können Sie sich auch keine Beispiele zurechtlegen. Tatsächlich ist das aber auch gar nicht notwendig. Denn wenn Sie spontan antworten und Ihre Antworten nach dem Ziel-Methode-Ergebnis-Schema aufbauen, kann nicht viel schiefgehen. Trotzdem können Sie sich in gewisser Hinsicht auf die Fragen vorbereiten. Überlegen Sie sich dabei, welche Kompetenzen, Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale ein Polizist braucht. Insgesamt stehen bei Persönlichkeitstests vier große Bereiche auf dem Prüfstand, nämlich

  1. die emotionale Stabilität (z.B. Belastbarkeit, Selbstbewusstsein)
  2. die Leistungsbereitschaft (z.B. Motivation, Führungsverhalten, Durchsetzungsvermögen)
  3. das Sozialverhalten (z.B. Teamgeist, Kontaktfähigkeit, Verträglichkeit, Einfühlungsvermögen)
  4. die Arbeitsweise (z.B. Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit, Zielstrebigkeit)

Damit können Sie schon einmal ungefähr abschätzen, um was es gehen wird und welche Merkmale gefragt sind.