Aktualisiert am 18. Juni 2020 von Ömer Bekar

Beim Vorstellungsgespräch kommt es nicht nur darauf an, was Sie sagen. Sondern es zählt auch, welche nonverbalen Signale Sie aussenden. Lesen Sie hier, was Sie in Sachen Körpersprache wissen sollten.

Die Körpersprache wird auch als nonverbale Kommunikation bezeichnet. Und anders als das Sprechen von Worten können Sie Ihre Körpersprache nicht einfach so abschalten. Denn selbst wenn Sie schweigen, also nichts sagen, senden Sie Signale aus. Hinzu kommt, dass Ihre Gesprächspartner Ihnen nicht nur etwas erzählen oder Ihnen zuhören, sondern Sie dabei immer auch beobachten. Wenn Sie nun Interesse vorgeben, Ihr Blick aber gelangweilt durch den Raum schweift, oder wenn Sie eine Behauptung aufstellen, dabei aber verschüchtert auf den Boden gucken und nervös mit dem Fuß wippen, passt das nicht zusammen. Was das nun aber für Sie und Ihr Vorstellungsgespräch bedeutet, erklären wir Ihnen im Folgenden.

Was bedeutet Körpersprache eigentlich genau?

Wenn Sie sich mit jemandem unterhalten, dann läuft das Gespräch auf zwei Ebenen ab. Die eine Ebene ist die verbale Kommunikation. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Worte, die Sie sagen. Die andere Ebene ist die nonverbale Kommunikation. Sie beinhaltet die Botschaften, die Sie Ihrem Gesprächspartner ohne Worte übermitteln. Deshalb wird auch von der Körpersprache gesprochen. Und die Körpersprache setzt sich aus vier Bestandteilen zusammen:

Warum spielt die Körpersprache eine Rolle?

Beim Vorstellungsgespräch geht es um Sie als Person. Dass Sie das notwendige Wissen mitbringen und in Sachen Intelligenz etwas draufhaben, haben Sie bereits beim schriftlichen Prüfungsteil des Einstellungstests unter Beweis gestellt. Dass Sie körperlich fit und sportlich sind, haben Sie durch Ihr erfolgreiches Abschneiden beim Sporttest bestätigt. Vielleicht haben Sie auch schon ein Assessment-Center erfolgreich hinter sich gebracht. Die Voraussetzungen für den Polizeidienst sind also bis hierhin vorhanden. Und jetzt, beim Vorstellungsgespräch, möchten die Prüfer in Erfahrung bringen, wen sie da vor sich haben. Was sind Sie für ein Mensch? Wie treten Sie auf? Wie motiviert sind Sie? Warum wollen Sie zur Polizei?

Um an die Infos zu kommen, führen die Prüfer mit Ihnen ein Gespräch und stellen Ihnen verschiedene Fragen. Für die Prüfer ist aber nicht nur interessant, was Sie antworten. Denn mit Ihren Antworten drücken Sie aus, was Sie denken. Sie sagen das, was Sie für richtig halten. Und Sie versuchen sich so zu präsentieren, wie Sie gerne gesehen werden möchten. Im Unterschied dazu können Sie Ihre Körpersprache weit weniger gut steuern. Ihre Körpersprache bringt zum Ausdruck, was Sie fühlen und was in Ihnen vorgeht. Und nur wenn Ihre Aussagen mit Ihrer Körpersprache übereinstimmen, wirken Sie echt und glaubwürdig. Deshalb haben die Prüfer auch Ihre Körpersprache im Blick. Wie gehen Sie auf die Prüfer zu? Welche Haltung nehmen Sie ein? Wirken Sie selbstbewusst oder machen Sie eher einen schüchternen und unsicheren Eindruck? Solche Infos können die Prüfer aus Ihrer Körpersprache zuverlässiger ablesen als aus Ihren Worten.

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So geht Körpersprache richtig!

Studien haben gezeigt, dass der erste Eindruck ganz entscheidend von der Körpersprache beeinflusst wird. Eine erste Einschätzung erfolgt bereits innerhalb der ersten vier Sekunden. Noch bevor die ersten Worte gewechselt wurden, steht also allein durch das Beobachten schon eine erste Beurteilung fest. Wenn Sie mit Ihrer Körpersprache punkten wollen, sollten Sie deshalb ein paar Grundregeln kennen und einhalten.

Der Händedruck

Wenn Sie aufgerufen werden, gehen Sie mit festem, sicherem Schritt auf die Prüfer zu. Sie müssen nicht in den Raum stürmen, sollten aber auch nicht zu gemütlich schlendern. Eröffnet wird das Vorstellungsgespräch in aller Regel durch ein Händeschütteln. Meistens wird Sie ein Prüfer begrüßen und erst sich und danach die anderen Prüfer vorstellen. Diese Reihenfolge können Sie bei der Begrüßung einhalten.

Das Händeschütteln sagt recht viel über Sie aus. Ein lascher Händedruck wirkt unsicher oder unmotiviert. Ein sehr fester Händedruck wird so ausgelegt, also wollten Sie eine Machtstellung demonstrieren und zeigen, wer der Stärkere ist. Schütteln Sie die Hand wild auf und ab, machen Sie einen hektischen und zerstreuten Eindruck. Zudem wird es als unhöflich empfunden, wenn Sie die Hand Ihres Gegenübers schlaff hätscheln, schmerzhaft zusammenpressen oder ihm fast den Arm auskugeln.

Achten Sie also auf das richtige Maß: Drücken Sie weder zu lasch noch zu fest zu und belassen Sie es bei einer Auf- und Abbewegung. Greifen Sie außerdem immer die ganze Hand und nicht nur die Finger. Und: Halten Sie den nötigen Abstand ein! Wenn Sie den Prüfern die Hand geben, sollte der Abstand zwischen Ihnen und dem jeweiligen Prüfer ungefähr der Länge von einem ausgestreckten Arm entsprechen. Kommen Sie dem Prüfer näher, dringen Sie in seinen persönlichen Bereich ein. Die meisten Menschen empfinden das als unangenehm. Beugen Sie sich also nicht zum Prüfer herunter, sondern bleiben Sie aufrecht stehen. So halten Sie automatisch den richtigen Abstand ein.

Der Blickkontakt

Allein schon aus Höflichkeit sollte es selbstverständlich sein, dass Sie den Prüfer, der gerade spricht, anschauen. Noch besser ist aber, wenn Sie den Blickkontakt suchen und halten. Schauen Sie dem Prüfer in die Augen, während Sie zuhören oder sprechen, zeugt das von Interesse, Offenheit und Aufmerksamkeit. Wenn Sie den Blicken ständig ausweichen, wirkt das unsicher, ängstlich und fast so, als hätten Sie etwas zu verbergen. Lassen Sie Ihren Blick durch den Raum schweifen oder schauen Sie gar aus dem Fenster, werden die Prüfer vermuten, dass Sie gedanklich woanders sind oder sich langweilen.

Wichtig ist aber, dass Ihr Blickkontakt echt ist. Ihrem Gesprächspartner wird es auffallen, wenn Sie ihn zwar anschauen, ihm aber nicht richtig zuhören. Und Blickkontakt bedeutet nicht, dass Sie Ihren Gesprächspartner ununterbrochen anstarren sollen. An diesem Punkt wird Ihnen aber helfen, dass am Vorstellungsgespräch der Polizei mehrere Prüfer teilnehmen. Da Sie natürlich alle Prüfer in das Gespräch einbeziehen sollten, wird Ihr Blick fast schon automatisch von einem Prüfer zum nächsten wandern.

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Die Mimik

Bei einem Gespräch ist es unangenehm, wenn der Gesprächspartner etwas sagt und dabei ein Pokerface aufsetzt. Das, was er sagt, wirkt dadurch schnell so, als wäre es auswendig gelernt. Im Ergebnis verlieren die Aussagen an Glaubwürdigkeit. Verzichten Sie deshalb lieber auf ein Pokerface und unterstützen Sie Ihre Aussagen besser durch passende, natürliche Gesichtszüge. Und: Ihre Mimik ist nicht nur beim Sprechen, sondern auch beim Zuhören wichtig. Wenn Sie mit Ihrem Gesprächspartner Blickkontakt halten, ihn anlächeln, seine Aussagen mit einem Nicken quittieren und vielleicht auch mal erstaunt schauen, signalisieren Sie damit, dass Sie ihm aufmerksam und interessiert zuhören.

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Das Lächeln

Ein freundliches Lächeln lockert die Situation auf. Zudem zeugt es von Offenheit und einem guten Benehmen, wenn Sie Ihren Gesprächspartnern mit einem freundlichen Gesichtsausdruck begegnen. Sie selbst möchten ja auch nicht in ernste, finstere und grimmige Gesichter schauen. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass Ihre Stimme freundlicher und wärmer klingt, wenn Sie lächeln.

Allerdings wird Ihr Lächeln nur dann etwas Gutes bewirken, wenn es echt ist. Viele Bewerber machen den Fehler, dass Sie krampfhaft auf einen netten Gesichtsausdruck achten. Das Ergebnis ist ein steifes Dauergrinsen, das entweder unangebracht, leicht dämlich oder sogar arrogant wirkt. Bemühen Sie sich also ruhig um einen freundlichen Gesichtsausdruck, aber lächeln Sie Ihre Gesprächspartner nur dann bewusst an, wenn es zur Situation passt.

Die Körperhaltung

„Kopf hoch, das wird schon!“, „mit beiden Beinen fest im Leben stehen“ oder „Rückgrat zeigen“ sind Redewendungen, die Sie sicher kennen. Und beim Vorstellungsgespräch können Sie sich genau daran orientieren. Das heißt: Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung mit geradem Rücken und erhobenem Kopf. Lassen Sie Ihre Schultern nicht hängen, sinken Sie nicht in sich zusammen und senken Sie Ihren Kopf nicht ständig in Richtung Boden. Wenn Sie sich kleiner machen, vermitteln Sie Angst und Unsicherheit. Eine zu lässige und bequeme Körperhaltung hingegen könnte als Überheblichkeit ausgelegt werden.

Aber eine gerade, aufrechte Körperhaltung bedeutet natürlich nicht, dass Sie sämtliche Muskeln krampfhaft anspannen und eine stocksteife Haltung einnehmen sollen. Das wirkt nicht nur komisch, sondern würde Sie zusätzlich unter Stress setzen. Und im Vorstellungsgespräch wollen Sie als angehender Polizist ja gerade vermitteln, dass Sie auch in schwierigen Situationen die Haltung bewahren. Achten Sie also darauf, dass Ihre Körperhaltung aufrecht ist, aber trotzdem natürlich bleibt.

Die Sitzposition

Nach der Begrüßung werden Sie die Prüfer dazu auffordern, Platz zu nehmen. Setzen Sie sich hin und nutzen Sie dabei die ganze Sitzfläche. Wenn Sie nur auf der Vorderkante sitzen und womöglich hin- und herrutschen, wirkt das unsicher. Außerdem erwecken Sie den Eindruck, als würden Sie jederzeit aufspringen und flüchten wollen. Nehmen Sie eine bequeme Sitzposition ein, aber achten Sie darauf, aufrecht zu sitzen. Dadurch signalisieren Sie Stabilität und Einsatzbereitschaft, so als könnten Sie jederzeit aufstehen und mit der Arbeit loslegen.

Zu einer angenehmen Sitzhaltung gehört auch, dass Sie die Sitzposition immer mal wieder wechseln. Sie müssen nicht stocksteif und bewegungslos auf dem Stuhl sitzen. Je verkrampfter Ihre Haltung ist, desto größer wird die Anspannung. Lockern Sie die Situation deshalb ruhig auf, indem Sie Ihre Sitzposition verändern. Und: Versuchen Sie, nicht ständig nervös mit dem Fuß zu wippen. Stellen Sie Ihre Füße besser auf den Boden.

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Die Gestik

Ihre Hände legen Sie am besten dort ab, wo Ihre Gesprächspartner sie sehen können, beispielsweise auf den Oberschenkeln oder auf den Stuhllehnen. Sie können das, was Sie sagen, durch dezente Gesten unterstützen. Aber vermeiden Sie es, wild herumzufuchteln. Und verzichten Sie auf Gesten wie geballte Fäuste oder einen ausgestreckten Zeigefinger. Solche Gesten werden häufig als aggressive Drohgebärden aufgefasst. Auch Gesten wie das Zurückstreichen der Haare, ein Kratzen am Kinn, ein Herumzupfen an der Kleidung oder das Spielen mit den Fingern sind keine gute Idee. Denn solche Gesten lassen Sie sehr unsicher wirken. Wenn Sie Ihre Arme vor der Brust verschränken, drücken Sie damit eine Abwehrhaltung und Verschlossenheit aus.

Legen Sie Ihre Hände also locker ab und setzen Sie sie ein, um Ihre Aussagen dezent zu unterstreichen. Beim Zuhören sollten Sie versuchen, Ihre Hände möglichst ruhig zu halten.

Die Stimme

Sprechen Sie klar und deutlich. Achten Sie auf eine angenehme Lautstärke und machen Sie Pausen. Sie bringen die Prüfer in eine unangenehme Situation, wenn sie dauernd nachfragen müssen, was Sie gesagt haben. Wenn Sie nervös sind, werden Sie vermutlich dazu neigen, zu schnell, zu hektisch und zu laut zu sprechen. Atmen Sie deshalb durch, sammeln Sie sich und antworten Sie dann bestimmt und selbstbewusst. Wenn einer der Prüfer spricht, hören Sie zu. Unterbrechen Sie ihn nicht, sondern warten Sie ab, bis er fertig ist.

Die wichtigste Regel aber ist: Bleiben Sie natürlich!

Natürlich spielt die Körpersprache eine wichtige Rolle. Und selbstverständlich sollten Sie auf Ihr Verhalten achten, um keine groben Fehler zu machen. Aber am Ende ist entscheidend, dass Sie echt und glaubwürdig rüberkommen.

Viele Bewerber konzentrieren sich viel zu sehr auf die Körpersprache. Sie achten permanent darauf, gerade zu sitzen, nicht nervös mit dem Fuß zu wippen, die Arme nicht zu verschränken und den Gesprächspartner ständig lächelnd anzuschauen. Das Ergebnis davon ist aber, dass ihr ganzes Verhalten aufgesetzt und gekünstelt wirkt. Außerdem sind sie so sehr mit der Körpersprache beschäftigt, dass für das Gespräch wenig Aufmerksamkeit übrig bleibt.

Die Prüfer wissen ganz genau, dass Sie nervös und aufgeregt sind. Eine gewisse Nervosität und Anspannung bei einem Vorstellungsgespräch ist völlig normal und gehört dazu. Kein Prüfer wird es überbewerten, wenn Sie mal kurz die Arme verschränken oder mit dem Fuß wippen. Verhalten Sie sich also natürlich und verstellen Sie sich nicht. Wenn Sie freundlich auftreten und sich aufmerksam am Gespräch beteiligen, sammeln Sie die meisten Pluspunkte.