Ein Baustein im Auswahlverfahren der Polizei ist das Vorstellungsgespräch. Es wird auch Einzelgespräch oder Einzelinterview genannt und üblicherweise als strukturiertes Bewerbungsgespräch geführt. Was das bedeutet, erklären wir Ihnen hier!

Durch das Auswahlverfahren möchte die Polizei zum einen feststellen, welche Bewerber für den Polizeiberuf geeignet sind. Zum anderen möchte sie die besten Bewerber herausfiltern. Und damit das gelingt, setzt sich das Auswahlverfahren aus mehreren Prüfungsbausteinen zusammen. Je nach Polizei und Laufbahn unterscheiden sich die Einstellungstests zwar ein wenig voneinander. Doch der grundlegende Aufbau ist gleich. So gibt es einen PC-Test, der das Wissen und das intellektuelle Leistungsvermögen prüft. Die Sportprüfung testet die körperliche Leistungsfähigkeit, bei der polizeiärztlichen Untersuchung steht die Gesundheit auf dem Prüfstand. Bei einigen Auswahlverfahren findet zudem ein Assessment-Center statt, bei dem es um das Auftreten und Verhalten gegenüber anderen geht. Und dann gibt es noch einen weiteren Prüfungsbaustein: das Vorstellungsgespräch.

Das Vorstellungsgespräch ist eine mündliche Prüfung. Je nach Polizei wird auch vom Einzelgespräch oder vom Einzelinterview gesprochen. Das Ziel des Vorstellungsgesprächs besteht darin, Sie als Person kennenzulernen und Ihre persönliche Eignung für den Polizeiberuf zu ermitteln. Nun muss die Polizei Ihr Gespräch aber auswerten, objektiv beurteilen und mit anderen Einzelgesprächen vergleichen können. Schließlich fließt die Bewertung des Einzelinterviews in Ihre Gesamtnote ein. Aus diesem Grund wird das Vorstellungsgespräch bei der Polizei in aller Regel als strukturiertes Interview durchgeführt. Und was es damit auf sich hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was bedeutet “strukturiertes Einzelgespräch”?

Das strukturierte Einzelinterview wird auch als standardisiertes Einzelgespräch bezeichnet. Strukturiert oder standardisiert deshalb, weil das Gespräch einem festen Ablauf folgt. Es wird nichts dem Zufall überlassen, sondern das Gespräch hat eine klare Struktur. Schon vor dem Gespräch steht fest, welche Fragen Ihnen gestellt werden. Oft sind die Fragen sogar schon vorformuliert. Und auch die Reihenfolge der Fragen ist festgelegt. Die Prüfer haben dazu einen Fragebogen vor sich, den sie Punkt für Punkt mit Ihnen abarbeiten. Dieser Fragebogen wird auch Interviewleitfaden genannt. Dabei sind die Fragen so zusammengestellt, dass sie genau die Themen, Fähigkeiten und Eigenschaften abfragen, die im Zusammenhang mit dem Polizeiberuf von Bedeutung sind. Auf dem Interviewleitfaden oder einem separaten Bewertungsformular machen sich die Prüfer Notizen und vermerken, wie sie Ihre jeweilige Antwort beurteilen. Meist gibt es dafür eine Noten- oder Punkteskala.

Was sind die Vorteile von einem strukturierten Bewerbungsgespräch?

Der größte Pluspunkt von einem strukturierten Vorstellungsgespräch besteht darin, dass die Bedingungen für alle Bewerber gleich sind. Denn allen Bewerbern werden exakt dieselben Fragen in genau der gleichen Reihenfolge gestellt. Außerdem ist der Fragenkatalog so gestaltet, dass alle relevanten Punkte angesprochen werden. Es besteht also nicht die Gefahr, dass bei Ihnen bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten im Vordergrund stehen, während bei anderen Bewerbern andere Aspekte stärker in die Bewertung einfließen. Ein weiterer großer Pluspunkt ist, dass das Gespräch weitestgehend auf einer sachlichen Ebene stattfindet. Die Prüfer nehmen nur sehr wenig Einfluss darauf, wie sich das Gespräch entwickelt. Aus diesem Grund fallen persönliche Sympathien und Antipathien kaum ins Gewicht. Missverständnisse auf zwischenmenschlicher Ebene lassen sich ebenfalls besser vermeiden. Durch den klar strukturierten Fragenkatalog und das standardisierte Bewertungsschema wird es möglich, das Gespräch objektiver zu beurteilen und Ihre Ergebnisse mit den Ergebnissen anderer Bewerber zu vergleichen.

Und was sind die Nachteile?

Der größte Minuspunkt von einem strukturierten Vorstellungsgespräch ist, dass es praktisch keine Flexibilität zulässt. Sie haben wenig Möglichkeiten, um den Gesprächsverlauf mitzubestimmen und sich aktiv an der Entwicklung zu beteiligen. Sie können kaum Akzente setzen oder bestimmte Punkte ansprechen, um das Gespräch ein wenig zu steuern. Stattdessen müssen Sie die Fragen beantworten, die Ihnen gestellt werden. Verglichen mit einem frei geführten Gespräch wirkt ein strukturiertes Vorstellungsgespräch deshalb ein bisschen strenger oder steifer, manchmal fast ein bisschen wie ein Verhör.

Wie läuft das Vorstellungsgespräch ab?

Das Vorstellungsgespräch bei der Polizei dauert üblicherweise um die 45 Minuten lang. Bei einigen Polizeien haben Sie das Gespräch schon nach einer halben Stunde überstanden, bei anderen Polizeien müssen Sie eine ganze Stunde lang Rede und Antwort stehen. Als grobe Orientierungshilfe sollten Sie sich aber auf eine Gesprächsdauer von rund 45 Minuten einstellen.

Das Gespräch selbst läuft im Prinzip wie ein normales Vorstellungsgespräch ab. Sie werden also zunächst in den Raum gerufen und gebeten, Platz zu nehmen. Dann beginnt das Vorstellungsgespräch. Und sein Ablauf lässt sich so beschreiben:

Der einzige Unterschied zu einem herkömmlichen Vorstellungsgespräch besteht darin, dass die Fragen vorher schon feststehen. Sie führen also kein Gespräch im Sinne eines Dialogs, der sich allmählich entwickelt und unterschiedlich verlaufen kann. Stattdessen stellen Ihnen die Prüfer Fragen aus einer Liste. Und wenn die Liste abgearbeitet ist und Sie Ihre eigenen Fragen losgeworden sind, haben Sie das Gespräch hinter sich gebracht.

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Welche Fragen werden beim Vorstellungsgespräch gestellt?

Wie Sie an der Grafik oben sehen, lassen sich die Fragen, die Ihnen beim Vorstellungsgespräch gestellt werden, in fünf Gruppen einteilen.

Ihre Selbstdarstellung

Das Vorstellungsgespräch beginnt mit Ihrer Selbstdarstellung. Typische Aufforderungen dazu lauten beispielsweise:

  • Bitte stellen Sie sich kurz vor.
  • Bitte erzählen Sie uns etwas über sich.
  • Wir möchten Sie kennenlernen. Bitte berichten Sie ein wenig über sich.

Bei der Selbstdarstellung haben Sie zwei, drei Minuten lang Zeit, um den Prüfern einen ersten Eindruck davon zu vermitteln, wen sie vor sich haben. Erzählen Sie deshalb nicht Ihre ganze Lebensgeschichte. Genauso sollten Sie nicht einfach nur Ihren Lebenslauf runterbeten. Wählen Sie stattdessen die wichtigsten Stationen Ihres bisherigen Werdegangs aus und kombinieren Sie Ihre Aussagen mit berufsrelevanten Kenntnissen oder Eigenschaften. Versuchen Sie zu verdeutlichen, was Sie für eine Tätigkeit als Polizist mitbringen. Sie können gerne auch Erlebnisse schildern, die Sie dazu veranlasst haben, diesen Beruf ergreifen zu wollen.

Fragen zu Ihrer Motivation für den Polizeiberuf

Nachdem Sie sich vorgestellt haben, werden Ihnen einige Fragen zu Ihrem Berufswunsch gestellt. Diese Fragen lauten beispielsweise:

  • Warum möchten Sie zur Polizei?
  • Warum haben Sie sich bei der Landespolizei …/Bundespolizei beworben?
  • Wie stellen Sie sich den Berufsalltag als Polizist vor?
  • Worin sehen die Vor- und die Nachteile des Polizeiberufs?
  • Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Eigenschaften eines Polizisten?

Wichtig bei diesen Fragen ist, dass klar wird, dass Sie sich intensiv mit der Polizei beschäftigt haben. Sie sollten wissen, welche Aufgaben die Polizei wahrnimmt, wie sie organisiert ist und welche Herausforderungen der Beruf mit sich bringt. Und Sie sollten plausibel und überzeugend erklären können, warum Sie unbedingt Polizist werden wollen. Wenn Sie bei diesen Fragen ins Stocken geraten, entsteht der Eindruck, dass es Ihnen mit Ihrem Berufswunsch nicht allzu ernst ist.

Biographische Fragen

Nach den Fragen zur Ihrer Motivation geht es mit biographischen Fragen und Fragen zu Ihnen als Person weiter. Bei diesen Fragen handelt es sich um die typischen Standardfragen aus Vorstellungsgesprächen, also beispielsweise:

  • Was sind Ihre Stärken, was Ihre Schwächen?
  • Welche fünf Stichworte würde Ihr bester Freund nennen, um Sie zu beschreiben?
  • Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule?
  • Wie war das Verhältnis zu Ihren Lehrern/Mitschülern?
  • Worauf sind Sie stolz und womit weniger zufrieden?
  • Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen?

Bei diesen Fragen zählt, dass Sie authentisch bleiben und sich realistisch einschätzen können. Lernen Sie keine vermeintlich richtigen Antworten aus Bewerbungsratgebern auswendig. Die Prüfer kennen die Standardantworten sehr genau und werden Ihre Strategie sofort durchschauen. Versuchen Sie auch nicht, sich als einen Menschen ohne Fehler und Macken zu präsentieren. Niemand ist perfekt, jeder hat Schwächen. Bleiben Sie also ehrlich und machen Sie gleichzeitig klar, dass Sie bereit sind, dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln.

Verhaltensbezogene Fragen

Weiter geht es dann mit verhaltensbezogenen Fragen. Verhaltensbezogene Fragen beziehen sich auf Situationen, die Sie schon einmal erlebt haben. Und die Prüfer möchten wissen, wie Sie sich in diesen Situationen verhalten haben. Meist werden Sie dabei auch gebeten, ein konkretes Beispiel zu nennen und die Frage damit zu beantworten. Die Fragen können beispielsweise lauten:

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Teamarbeit gemacht?
  • Haben Sie schon einmal etwas organisiert?
  • Worüber haben Sie sich in jüngerer Vergangenheit so richtig geärgert?
  • Haben Sie schon einmal einem guten Freund aus einer verzwickten Lage geholfen?
  • Was haben Sie unternommen, um einen Streit zwischen zwei Ihrer Freunde zu schlichten?

Solche Fragen beziehen sich auf Verhaltensweisen, die für bestimmte Persönlichkeitsmerkmale stehen. Durchsetzungsvermögen, Aufrichtigkeit, Engagement, Kontaktfreude oder Teamgeist sind Beispiele dafür. Für Sie ist wichtig, dass Sie Ihr Verhalten möglichst genau beschreiben und begründen. Zudem sollten Sie Ihr Verhalten in der konkreten Situation beschreiben, und nicht, wie Sie sich im Allgemeinen verhalten. Was das Beispiel angeht, so müssen Sie nicht großartig darüber nachdenken, welches Beispiel wohl am besten passen würde. Nehmen Sie das Beispiel, das Ihnen spontan einfällt.

Situative Fragen

Situative Fragen sind Fragen, bei denen es um fiktive Situationen geht. Sie müssen sich dabei eine bestimmte Situation aus dem Berufsalltag vorstellen und erklären, was Sie in dieser Situation tun würden. Eingeleitet werden die Fragen üblicherweise so:

  • Stellen Sie sich vor, Sie sind Polizist und mit Ihrem Kollegen auf Streife. Da beobachten Sie … Was würden Sie tun?
  • Stellen Sie sich vor, Sie werden zum einem Einsatz gerufen. Vor Ort … Wie würden Sie reagieren?

Genauso wie die verhaltensbezogenen Fragen zielen auch die situativen Fragen darauf ab, bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Charaktereigenschaften zu bewerten. Auch hier ist wichtig, dass Sie genau schildern, was Sie wann wie und warum tun würden. Beantworten Sie diese Fragen aber spontan und ehrlich. Versuchen Sie nicht, sich eine besonders clevere Antwort auszudenken. Sie tun sich keinen Gefallen damit, wenn bei den Prüfern der Eindruck entsteht, dass Sie sich verstellen.

Und noch ein guter Rat:

Machen Sie sich nicht verrückt! Beim Vorstellungsgespräch geht es darum, Sie als Person kennenzulernen. Ein strukturiertes Interview wirkt zwar steif, ist aber kein Verhör! Dieser Standardablauf ist notwendig, damit das Gespräch objektiv ausgewertet werden kann. Schauen Sie sich in der Vorbereitung auf das Gespräch die typischen Standardfragen in Vorstellungsgesprächen an und überlegen Sie sich, wie Sie darauf antworten können. Und bleiben Sie ansonsten natürlich und authentisch. Wenn Polizist Ihr Traumberuf ist, wird das bei den Prüfern auch genau so ankommen.