Der PC-Test ist geschafft und die Sportprüfung bestanden. Mit dem Vorstellungsgespräch steht der nächste Prüfungsbaustein im Auswahlverfahren der Polizei an. Lesen Sie hier, auf welche Fragen Sie vorbereitet sein sollten.

Um die Bewerber zu finden, die das Zeug zum guten Polizisten haben und das Team prima ergänzen, führt die Polizei ein aufwändiges Auswahlverfahren durch. Je nach Polizei, Behörde und Laufbahn läuft das Auswahlverfahren zwar ein wenig anders ab. Doch der grundlegende Aufbau ist gleich. So beinhaltet der Einstellungstest einen schriftlichen Prüfungsteil, der als Wissens- und Intelligenztest am PC durchgeführt wird. Außerdem gibt es eine Sportprüfung, eine polizeiärztliche Untersuchung und manchmal auch ein Assessment-Center. Und dann ist da noch das Vorstellungsgespräch. Je nach Polizei ist in diesem Zusammenhang vom Einzelgespräch oder vom Einzelinterview die Rede. Das Vorstellungsgespräch ist ein mündlicher Prüfungsteil im Auswahlverfahren. Ähnlich wie bei einem klassischen Vorstellungsgespräch werden Ihnen einige typische Fragen gestellt. Welche das sind, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.

Worum geht es beim Vorstellungsgespräch?

Das Auswahlverfahren der Polizei zielt darauf ab, sich ein möglichst umfassendes Bild von Ihnen zu machen. Erfüllen Sie die formalen Einstellungskriterien, werden Sie zur Teilnahme am Einstellungstest eingeladen. Ihr Wissen, Ihr theoretisches Können und Ihr Intellekt stehen beim PC-Test auf dem Prüfstand. Ihre körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit müssen Sie beim Sporttest unter Beweis stellen. Ihre Gesundheit wird bei der polizeiärztlichen Untersuchung unter die Lupe genommen. Und beim Vorstellungsgespräch geht es darum, Sie als Person kennenzulernen. Wer sind Sie? Was macht Sie aus? Sind Sie menschlich für den Polizeiberuf geeignet? Passen Sie ins Team? All das sind Fragen, die das Vorstellungsgespräch beantworten soll.

Auf diese Fragen sollten Sie vorbereitet sein!

Nach der Begrüßung beginnt das Vorstellungsgespräch meist mit der sogenannten Selbstpräsentation. Die Aufforderung dazu lautet beispielsweise “Stellen Sie sich bitte kurz vor.” oder “Erzählen Sie uns etwas über sich.” Was nett und freundlich klingt, hat es durchaus in sich. Denn die Prüfer möchten nicht Ihre ganze Lebensgeschichte hören. Und sie möchten auch nicht, dass Sie Ihren Lebenslauf wiedergeben. Stattdessen geht es darum, dass Sie auf den Punkt gebracht aufzeigen, was Sie ausmacht. Suchen Sie sich dazu die wichtigsten Stationen Ihres bisherigen Werdegangs heraus. Überlegen Sie sich außerdem Qualifikationen, Eigenschaften oder Erlebnisse, die einen Bezug zu Ihrem Berufswunsch haben oder Ihnen als Polizist nützlich sein können. Fassen Sie das alles zu einem kurzen Vortrag zusammen, der einen roten Faden hat und aufzeigt, dass und warum Sie zur Polizei wollen. In zwei bis drei Minuten sollten Sie alles Wichtige gesagt haben.

Es kann sein, dass die Prüfer kurz auf Ihre Selbstpräsentation eingehen. Ansonsten geht es danach mit einem Fragenkatalog weiter. Dieser Fragenkatalog wiederum enthält einige Standardfragen, die fast immer gestellt werden. Für Sie hat das den Vorteil, dass Sie sich darauf vorbereiten können. Und mit welchen Fragen Sie rechnen sollten, lesen Sie in den folgenden Abschnitten.

Fragen zu Ihrer Motivation

Die Prüfer möchten herausfinden, wie gut Sie über die Polizei und die Tätigkeit als Polizist informiert sind. Außerdem möchten die Prüfer etwas über Ihre Motivation erfahren. Typische Fragen, die Ihnen in diesem Zusammenhang gestellt werden können, sind folgende:

  • Warum möchten Sie Polizist werden?
  • Warum möchten Sie zur Polizei?
  • Wie sind Sie auf den Polizeidienst gekommen? Und seit wann haben Sie diesen Berufswunsch?
  • Welche Vor- und Nachteile bringt Ihrer Meinung nach der Polizeiberuf mit sich?
  • Warum glauben Sie, dass Sie das Zeug zum Polizisten haben?

Damit Sie solche Fragen schlüssig und überzeugend beantworten können, sollten Sie sich auf das Gespräch vorbereiten. Informieren Sie sich also ausführlich über die Polizei als Behörde und über die polizeilichen Aufgaben. Schauen Sie sich an, wie Ihre Polizei organisiert ist und prägen Sie sich die wichtigsten Eckdaten der Polizeigeschichte ein. Recherchieren Sie bedeutende Ereignisse der jüngsten Vergangenheit und informieren Sie sich über den Ablauf Ihrer Ausbildung. Alle diese Informationen finden Sie auf der Homepage Ihrer Polizei. In Berufsbeschreibungen, beispielsweise im Portal der Arbeitsagentur, können Sie herausfinden, welche Eigenschaften und Merkmale ein Polizist mitbringen sollte.

Und: Überlegen Sie sich, warum SIE zur Polizei wollen. Sie können im Vorstellungsgespräch ruhig aus Ihrer ganz persönlichen Sichtweise heraus schildern, warum Sie sich für diesen Beruf entschieden haben, welche Vor- und Nachteile Sie sehen und warum Sie glauben, dass Sie ein guter Polizist wären. Aber achten Sie darauf, dass Ihre Begründungen für einen Außenstehenden nachvollziehbar sind.

Fragen zu Ihren (beruflichen) Interessen

Die Prüfer interessiert nicht nur, warum Sie Polizist werden wollen. Sondern sie möchten auch wissen, ob Sie Interessen oder sogar Berufserfahrungen mitbringen, die zum Polizeiberuf passen und Ihnen bei Ihrer Tätigkeit zugutekommen könnten. Um an diese Infos zu kommen, werden solche Fragen gestellt:

  • Welche Schulfächer mochten Sie gerne und welche Fächer nicht?
  • In welchen Schulfächern hatten Sie gute Noten und in welchen Fächern schlechte Noten?
  • Warum haben Sie im Schulfach … nur eine Note … erreicht?
  • Wie war das Verhältnis zu Ihren Lehrern und Ihren Mitschülern?
  • Haben Sie Praktika absolviert, einen Ferien- oder Nebenjob gemacht, gearbeitet oder sich ehrenamtlich engagiert?

Schulnoten werden oft als Anhaltspunkt dafür gewertet, wie motiviert, leistungsbereit, lernwillig und anpassungsfähig jemand ist. Deshalb sollten Sie Ihre letzten Zeugnisse samt Noten abrufen können. Wenn Sie die Fragen beantworten, kommt es aber nicht unbedingt auf die tatsächlichen Noten an. Wichtiger ist, dass Sie plausibel erklären können, wie die Noten zustande kamen. Im Idealfall können Sie dabei einen Bezug zu Ihrem Wunschberuf herstellen. So können Sie dann auch weniger gute Leistungen abfedern. Waren Sie beispielsweise in Deutsch nicht ganz so gut, können Sie erklären, dass Sie klassische Literatur zwar interessant finden, Ihnen Aufsätze zu freien Themen und Berichte aber eher liegen. Damit schlagen Sie eine Brücke, denn im Polizeidienst müssen Sie auch Protokolle und Anzeigen schreiben, aber keine Gedichte zitieren.

Was das Verhältnis zu Lehrern und Mitschülern angeht, sollten Sie sich kontakt- und teamfähig präsentieren. Diese Eigenschaften brauchen Sie auch als Polizist. Räumen Sie also ruhig ein, dass es gelegentlich Auseinandersetzungen gab und Sie sich nicht mit allen gleichgut verstanden haben. Stellen Sie aber heraus, dass Sie insgesamt immer einen Weg für ein faires Miteinander gefunden haben.

Praktika, Jobs und Hobbys können ein Wegweiser für Ihren Berufswunsch sein. Vielleicht haben Sie auch Erfahrungen gesammelt oder Eigenschaften an sich entdeckt, die Sie als Polizist gut brauchen können. Zählen Sie also nicht nur Schulfächer, Stationen und Interessen auf, sondern versuchen Sie immer, auch einen Bezug zur Tätigkeit bei der Polizei herzustellen.

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Fragen zu Ihrer Persönlichkeit

Damit sich die Prüfer ein umfassendes Bild von Ihnen machen können, werden sie Ihnen Fragen zu Ihren Eigenschaften und Charakterzügen stellen. Standardfragen dabei sind unter anderem:

  • Was sind Ihre Stärken, was Ihre Schwächen?
  • Worauf sind Sie stolz? Und womit sind Sie bei sich selbst unzufrieden?
  • Gibt es etwas, das Sie bereuen oder, mit Ihrem heutigen Wissen, anders machen würden?
  • Wie würden Ihre Eltern/Ihre besten Freunde Sie beschreiben?
  • Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
  • Was bringt Sie aus der Ruhe? Was geht Ihnen so richtig auf die Nerven?
  • Erzählen Sie mal: Sind Sie schon einmal wirklich ungerecht behandelt worden?
  • Stellen Sie sich folgende Situation vor: … Wie würden Sie reagieren/vorgehen/handeln?

Bei den Fragen zu Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Charakter geht es zum einen darum, Sie als Person und als Persönlichkeit kennenzulernen. Zum anderen möchten die Prüfer wissen, ob Sie sich selbst ehrlich und realistisch einschätzen können. Dazu gehört auch, dass Sie zwei, drei kleinere Schwächen nennen können. Beschreiben Sie sich nicht als den perfekten Menschen ohne Fehler und Macken. Denn niemand ist perfekt und niemand kann alles gleichgut. Versuchen Sie aber, Schwachpunkte anzugeben, die für den Polizeiberuf kein nennenswerter Nachteil sind oder an denen Sie arbeiten können. Und achten Sie darauf, dass ein ausgewogenes, unterm Strich positives Gesamtbild entsteht. Dies erreichen Sie, indem Sie zwar angeben, was vielleicht nicht ganz optimal gelaufen ist, aber gleichzeitig erzählen, was Sie unternommen haben, um etwas daran zu ändern. Entscheidend ist, dass klar wird, dass Sie sich von Ihrem Weg nicht abbringen lassen und bereit sind, permanent an sich zu arbeiten. Außerdem ist wichtig, dass Sie die Verantwortung übernehmen und nicht anderen die Schuld in die Schuhe schieben.

Fragen zu Ihrem sozialen Umfeld

Durch Fragen zu Ihrem sozialen Umfeld möchten die Prüfer Rückschlüsse auf Sie, Ihre Lebensweise und Ihre Lebenseinstellung ziehen. Rechnen Sie mit Fragen im Stil von:

  • Wie ist Ihr familiärer und sozialer Hintergrund?
  • Wie sind Sie aufgewachsen?
  • Was machen Ihre Eltern und Geschwister beruflich?
  • Welche Berufe tauchen in Ihrem Freundeskreis auf? Haben Sie Leute aus Ihrem Freundeskreis auch bei der Polizei beworben?
  • Wie steht Ihr engstes Umfeld zu Ihren beruflichen Plänen?

Lassen Sie sich bei solchen Fragen nicht dazu verleiten, zu sehr aus dem Nähkästchen zu plaudern. Sehr persönliche Dinge gehen die Prüfer nichts an. Außerdem sollten Sie Loyalität und Diskretion zeigen, indem Sie keine Details über Dritte verraten. Belassen Sie es dabei, dass Sie ganz normal, in “geordneten Verhältnissen” aufgewachsen sind. Wenn jemand aus Ihrer Familie oder aus Ihrem Freundeskreis Polizist ist, können Sie das natürlich erwähnen. Und stellen Sie klar, dass Ihr Umfeld Sie in Ihren beruflichen Plänen unterstützt.

Fragen zu Ihrem allgemeinen Interesse

Einige Fragen werden sich darauf beziehen, wie gut Sie über das aktuelle Geschehen informiert ist und wofür Sie sich ganz persönlich interessieren. Die Fragen dazu lauten dann beispielsweise:

  • Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?
  • Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
  • Wenn Sie im Internet surfen, welche Seiten schauen Sie sich dann an?
  • Welche Zeitung lesen Sie?
  • Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
  • Was halten Sie derzeit für das wichtigste tagespolitische Thema?
  • Wie sehen Sie die Problematiken, die der demographische Wandel mit sich bringt?

Selbst wenn Sie sich sonst nicht besonders für Politik interessieren, sollten Sie vor dem Vorstellungsgespräch regelmäßig die Zeitung lesen und Nachrichten schauen. Erwecken Sie nicht den Eindruck, dass für Sie nur Ihre eigenen Interessen zählen und Sie die Medien lediglich nutzen, um Ihre Lieblingsserie zu schauen, Spiele zu spielen oder online einzukaufen. Sondern präsentieren Sie sich als eine vielseitig interessierte Person, die das aktuelle Geschehen verfolgt, sich aktiv am Leben beteiligt und Stellung bezieht.

Unangenehme Fragen

Im Vorstellungsgespräch kann es durchaus sein, dass Ihnen unangenehme Fragen gestellt werden. Beispiele für solche Fragen sind:

  • Was machen Sie, wenn Sie eine Absage bekommen?
  • Was würden Sie fragen, wenn Sie an unserer Stelle wären?
  • Glauben Sie wirklich, dass aus Ihnen ein guter Polizist werden könnte?
  • Wissen Sie, wie viel Sie als Polizist verdienen?
  • Sie wirken eher schüchtern und zurückhaltend. Als Polizist müssten Sie schon bestimmter und energischer auftreten.

Durch solche Fragen oder Kommentare möchten die Prüfer herausfinden, wie souverän Sie reagieren. Sie möchten Sie ganz bewusst in eine unangenehme Situation bringen und den Stresslevel erhöhen, um zu sehen, ob Sie cool bleiben. Es geht bei den Antworten dann auch weniger darum, was Sie sagen. Es zählt vielmehr, wie Sie Ihre Antwort geben. Bleiben Sie deshalb ruhig, atmen Sie durch und antworten Sie gelassen. Lassen Sie sich auf keinen Fall zu schnippischen Reaktionen verleiten! Im Polizeialltag müssen Sie auch mit Provokationen umgehen können. Aber keine Sorge: Ihnen werden, wenn überhaupt, nur wenige unangenehme Fragen gestellt. Sie müssen kein echtes Stressinterview überstehen. Das würde noch einmal ganz anders ablaufen. Machen Sie deshalb auch nicht den Fehler, hinter jeder Frage eine böse Falle zu vermuten!

Ihre eigenen Fragen

Das Vorstellungsgespräch gibt Ihnen ebenfalls die Möglichkeit, Ihre Fragen loszuwerden. Und wenn Sie dazu aufgefordert werden, Ihre Fragen zu stellen, sollten Sie das auch tun. Wenn Sie gar nichts mehr wissen wollen, könnte der Eindruck entstehen, dass es Ihnen an echtem Interesse mangelt. Allerdings sollten Sie sich gut überlegen, was Sie fragen. Es kommt nicht gut an, wenn Sie Dinge abfragen, die Sie selbst wissen könnten, wenn Sie sich vorher informiert hätten. Gleiches gilt für Themen, die im Vorstellungsgespräch bereits besprochen wurden. Wenn Ihre Fragen im Laufe des Gesprächs tatsächlich schon geklärt wurden, können Sie das ruhig so sagen. Ansonsten können Sie beispielsweise konkrete Aspekte des Polizeiberufs ansprechen oder sich nach Ausbildungsdetails erkundigen. Aber: Fragen Sie nicht danach, wie die Prüfer das Vorstellungsgespräch bewerten. Oder wie Ihre Chancen auf eine Einstellung stehen. Die Auswertung des Gesprächs nehmen die Prüfer erst später vor. Und ob Sie eingestellt werden, hängt von Ihrer Platzierung in der Rangliste ab. Das sollten Sie aber selbst wissen!

Lernen Sie keine Antworten auswendig!

Die gängigsten Standardfragen, die beim Vorstellungsgespräch auf Sie zukommen, kennen Sie nun. Also können Sie sich überlegen, wie Sie die Fragen beantworten wollen. Vielleicht haben Sie ja die Möglichkeit, das Vorstellungsgespräch mit Ihren Eltern oder Ihren Freunden durchzuspielen. So üben Sie den Ernstfall. Außerdem können Sie ausprobieren, wie Ihre Antworten wirken und beim Gegenüber ankommen. Aber: Lernen Sie keine Antworten auswendig!

Die Prüfer kennen die Bewerbungsratgeber sehr gut und werden es sofort durchschauen, wenn Sie ihnen Musterantworten präsentieren. Und selbst wenn Sie sich eigene Antworten zurechtlegen, wird ein auswendig gelernter Vortrag wenig überzeugend wirken. Beim Vorstellungsgespräch geht es darum, Sie als Person kennenzulernen. Deshalb ist entscheidend, dass Sie authentisch sind. Für Sie heißt das: Spielen Sie die Standardfragen durch und überlegen Sie sich, wie Sie sich möglichst gut verkaufen können. Aber legen Sie sich höchstens Stichworte zurecht, die Sie im Vorstellungsgespräch dann spontan ausformulieren. Antworten, die auswendig gelernt klingen, werden die Prüfer dazu verleiten, nachzufragen, um so die Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Spätestens dann müssen Sie ohnehin spontan reagieren. Und diesen zusätzlichen Stress können Sie sich ersparen.