
Für das SEK durchlaufen Sie ein anspruchsvolles Auswahlverfahren.
Zum SEK führt kein direkter Weg. Sie bewerben sich zuerst bei einer Landespolizei oder der Bundespolizei, absolvieren die Laufbahnausbildung, versehen Dienst und bewerben sich erst danach intern beim Spezialeinsatzkommando. Der Weg besteht also aus zwei Bewerbungen und zwei Auswahlverfahren, die Jahre auseinanderliegen.
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Diese Reihenfolge ist der Punkt, an dem die meisten Planungen scheitern. Wer sich mit 18 fragt, wie er zum SEK kommt, sucht meist nach einer Bewerbungsadresse der Spezialeinheit. Die gibt es für Externe nicht. Was es gibt, ist ein Laufbahnweg mit klar benannten Stationen, und je früher Sie wissen, welche davon Sie gerade vor sich haben, desto gezielter können Sie sich vorbereiten.
Der Weg zum SEK in zwei Stufen
Die beiden Stufen unterscheiden sich in fast allem: im Adressaten der Bewerbung, in den Voraussetzungen, im Inhalt des Tests und darin, was am Ende steht.
| Stufe 1: Eintritt in den Polizeidienst | Stufe 2: Wechsel zum SEK | |
|---|---|---|
| Bewerbung an | Landespolizei oder Bundespolizei | die Spezialeinheit, intern aus dem Dienst heraus |
| Wer darf sich bewerben | Externe mit dem jeweils geforderten Schulabschluss | nur Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte mit Berufserfahrung |
| Auswahlverfahren | schriftlicher beziehungsweise computergestützter Teil, mündlicher Teil, Sporttest, ärztliche Untersuchung | mehrtägig: schriftliche Prüfung, Persönlichkeitstest, Sporttests, mündliche Prüfung, ärztliche Untersuchung |
| Danach folgt | Laufbahnausbildung im mittleren oder gehobenen Dienst | Sonderausbildung der Spezialeinheit |
SEK, MEK, GSG9 und TEG sind vier verschiedene Einheiten
Die Abkürzungen werden häufig durcheinandergebracht, und das führt zu Bewerbungen an der falschen Stelle. Sie stehen für unterschiedliche Aufgaben und teilweise für unterschiedliche Ebenen.
| Einheit | Ebene | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| SEK – Spezialeinsatzkommando | Länder | Zugriff in Lagen, die den Streifendienst übersteigen |
| MEK – Mobiles Einsatzkommando | Länder | verdeckte Observation und Fahndung |
| GSG9 | Bund, Bundespolizei | Spezialeinheit des Bundes, hervorgegangen aus dem Bundesgrenzschutz |
| TEG – Technische Einsatzgruppe | Länder | technische Unterstützung der Spezialeinheiten |
| VG – Verhandlungsgruppe | Länder | Kommunikation mit Tatverdächtigen, etwa bei Geiselnahmen |
Für das MEK gilt derselbe zweistufige Weg wie für das SEK: erst Polizeidienst, dann interne Bewerbung. Ein eigenes Auswahlverfahren für Externe gibt es auch dort nicht. Die GSG9 ist die Spezialeinheit der Bundespolizei; wer dorthin will, bewirbt sich zunächst bei der Bundespolizei und nicht bei einer Landespolizei. Wie deren Einstiegstest aufgebaut ist, lesen Sie im Beitrag zum Einstellungstest der GSG9.
Das Kürzel SEK steht für Spezialeinsatzkommando, nicht für Sondereinsatzkommando. Der zweite Begriff wird im amtlichen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet, weil er durch eine gleichnamige Einheit aus der Zeit des Nationalsozialismus belastet ist.
Woher die Spezialeinheiten stammen
Das erste Spezialeinsatzkommando wurde 1974 aufgestellt. Zwei Jahre zuvor hatte es bei den Olympischen Spielen in München einen terroristischen Anschlag gegeben, bei dem mehrere Menschen ums Leben kamen. Als Reaktion darauf erarbeiteten die Innenminister ein Konzept für Spezialeinheiten von Bund und Ländern. Zunächst entstand die Grenzschutzgruppe 9 beim damaligen Bundesgrenzschutz; als daraus die Bundespolizei hervorging, wurde die GSG9 deren Spezialeinheit. Auf Landesebene kamen nach und nach weitere Einheiten hinzu.
Heute unterhält jedes Bundesland mindestens ein Spezialeinsatzkommando, einige Länder mehrere Einsatzteams. Das SEK Baden-Württemberg gehört zusätzlich dem Atlas-Verbund europäischer Spezialeinheiten an.
Wofür das SEK angefordert wird
Das SEK rückt aus, wenn eine Bedrohungslage die Möglichkeiten des Streifendienstes übersteigt und eine besondere Ausbildung verlangt. Typische Einsatzbereiche sind Entführungen, Geiselnahmen, Banküberfälle und Erpressungen. Hinzu kommen Lagen, in denen sich eine Person in einem psychischen Ausnahmezustand befindet und ihr Verhalten unberechenbar ist.
Observierungen, Festnahmen und Transporte von Schwerverbrechern gehören ebenso zum Aufgabenbereich wie präventive Aufträge, etwa Personen- und Zeugenschutz.
Stufe 1: der Eintritt in den Polizeidienst
Ihre erste Bewerbung richtet sich an eine Landespolizei oder an die Bundespolizei. Welche formalen Voraussetzungen dort gelten, regelt das jeweilige Land beziehungsweise der Bund – Schulabschluss, Altersgrenzen und Tauglichkeitskriterien unterscheiden sich deshalb voneinander. Gemeinsam ist allen Ländern, dass Sie ein Auswahlverfahren durchlaufen.
Dieser Einstellungstest prüft Ihre intellektuelle, charakterliche und körperliche Eignung. Er setzt sich aus einem schriftlichen oder computergestützten Teil, einem mündlichen Teil, einem Sporttest und einer ärztlichen Untersuchung zusammen. Bestehen Sie ihn nicht, ist eine Einstellung nicht möglich.
Im Anschluss absolvieren Sie die Laufbahnausbildung im mittleren oder im gehobenen Polizeivollzugsdienst und schließen den Vorbereitungsdienst ab.
Zwischen Ausbildung und SEK liegen Dienstjahre
Nach der Ausbildung folgt der Teil des Weges, der sich nicht abkürzen lässt: praktische Erfahrung im Vollzugsdienst. Erst danach kommt eine Bewerbung bei der Spezialeinheit überhaupt in Betracht.
Diese Zeit ist keine Wartezeit. Die Spezialeinheit erwartet, dass Sie Einsatzerfahrung mitbringen und im Dienst gezeigt haben, wie Sie unter Druck handeln.
Stufe 2: die interne Bewerbung beim SEK
Verfügen Sie über die geforderte Berufspraxis, bewerben Sie sich intern. Kommt Ihre Bewerbung in die nähere Auswahl, steht Ihnen ein zweites Auswahlverfahren bevor, das speziell auf das SEK abgestimmt ist.
Es erstreckt sich über mehrere Tage und umfasst eine schriftliche Prüfung, einen Persönlichkeitstest, verschiedene Sporttests, eine mündliche Prüfung und eine ärztliche Untersuchung. Nur wer alle Einzeltests besteht, kommt weiter.
Dabei übersteigt die Zahl der Teilnehmenden die Zahl der freien Stellen deutlich. Ein bestandener Test allein führt deshalb nicht automatisch zu einer Zusage – die erhalten diejenigen, die am besten abgeschnitten haben.
Diese Anforderungen stellt die Spezialeinheit
Zur abgeschlossenen Laufbahnausbildung und zur Berufserfahrung kommen Eigenschaften, die im Auswahlverfahren gezielt geprüft werden.
Überdurchschnittliche körperliche Fitness
Lange Einsatztage, schwere Ausrüstung und voller Körpereinsatz unter schwierigen Bedingungen gehören zum Alltag. Sie brauchen eine ausgezeichnete körperliche Verfassung.
Hohe psychische Belastbarkeit
Sie werden Situationen erleben, die Sie psychisch herausfordern, etwa Geiselnahmen mit Todesfolge. Mentale Stärke ist Voraussetzung, keine Zugabe.
Stressresistenz
Wechselnde Lagen verlangen schnelle Entscheidungen und überlegtes Handeln unter Druck. Ruhige Routine bietet der Dienst nicht.
Soziale Kompetenz und Teamfähigkeit
Im Einsatz müssen Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen sich blind aufeinander verlassen können. Impulsives oder draufgängerisches Imponiergehabe ist im SEK fehl am Platz.
Wahrnehmungsfähigkeit und Urteilsvermögen
Bei Observationen wie bei Zugriffen kann die kleinste Veränderung entscheidend sein. Sie müssen Lagen schnell überblicken und das Gefahrenpotenzial richtig einschätzen – ein Zugriff darf weder zu früh noch zu spät erfolgen.
Technisches Grundverständnis
Der sichere Umgang mit modernen Schusswaffen und mit Einsatztechnik setzt ein gewisses Maß an technischem Verständnis voraus.
Das Alter begrenzt Einstieg und Verbleib
Die Altersgrenzen für eine Bewerbung legen die Länder unterschiedlich fest. Beim SEK Berlin etwa dürfen Sie höchstens 32 Jahre alt sein.
Das Alter spielt auch danach noch eine Rolle: Mit Erreichen einer bestimmten Altersgrenze endet der Dienst in der Spezialeinheit, und Sie wechseln zurück in eine andere Verwendung. Ab wann das gilt, regeln die Länder ebenfalls jeweils für sich.
Die Sonderausbildung bringt Sie an Ihre Grenzen
Haben Sie das Auswahlverfahren bestanden, beginnt die Sonderausbildung, auch Einführungsphase genannt. Ihre Dauer hängt vom Bundesland ab – beim SEK Berlin sind es sechs Monate.
Sie verbindet körperliches Training und praktische Abschnitte mit theoretischen Lehrgängen. Zu den Inhalten gehören unter anderem:
- Kriminologie, Rechtskunde und Politische Bildung
- Einsatzlehre
- Technik
- Erste Hilfe
- Waffentraining und Schießübungen
- Klettertraining und Eindringen in Objekte
- Kampfsport
- Fahrsicherheitstraining
Die Ausbildung ist bewusst darauf angelegt, Sie an Ihre körperlichen und psychischen Grenzen zu bringen, damit Sie sich selbst und Ihre Fähigkeiten im Ernstfall richtig einschätzen können. Wer den Anforderungen nicht gewachsen ist, für den endet sie vorzeitig.
Was der Wechsel für Ihre Laufbahn bedeutet
Der Dienst im SEK ist keine eigene Laufbahn, sondern eine Verwendung innerhalb des Polizeivollzugsdienstes. Sie bleiben Polizeibeamtin oder Polizeibeamter Ihres Landes beziehungsweise des Bundes; Laufbahngruppe, Besoldung und Dienstherr richten sich weiter nach den allgemeinen Vorschriften. Welche Zulagen für den Dienst in einer Spezialeinheit gezahlt werden, regelt das jeweilige Besoldungsrecht – auch das ist Ländersache.
Praktisch ändert sich vor allem der Alltag: Bereitschaftszeiten, Trainingsanteile und kurzfristige Einsätze bestimmen den Dienstplan stärker als im Streifendienst. Wer die Einheit später verlässt, etwa mit Erreichen der Altersgrenze, wechselt in eine andere Verwendung innerhalb der Polizei.
Steht das SEK auch Frauen offen?
Ja. Die Zugangsvoraussetzungen sind nicht nach Geschlecht formuliert: Sie gelten für alle Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten mit der geforderten Ausbildung und Diensterfahrung. Für die Sportprüfungen gelten die Anforderungen der jeweiligen Einheit; ob dabei nach Geschlecht getrennte Werte angesetzt werden, legt das jeweilige Land fest und steht in der Ausschreibung des Durchgangs.
Der Frauenanteil in den Spezialeinheiten ist gering. Eine belastbare, bundesweit einheitliche Zahl dazu veröffentlichen die Länder nicht laufend, weshalb hier bewusst keine genannt wird.
Wo der verbindliche Wert für Ihr Bundesland steht
Mindestdienstzeit, Altersgrenzen und Dauer der Sonderausbildung sind Ländersache und ändern sich. Verbindlich ist immer nur das, was Ihre eigene Behörde schreibt.
- die Einstellungsberatung Ihrer Landespolizei beziehungsweise der Bundespolizei
- die interne Ausschreibung der Spezialeinheit – sie nennt Dienstzeit, Altersgrenze und Bewerbungsfrist für den konkreten Durchgang
- Ihre Personalstelle, wenn Sie bereits im Dienst sind
Werte aus Zeitungsberichten oder Foren sind für Ihre Bewerbung kein Maßstab. Sie stammen häufig aus einem anderen Bundesland oder aus einem früheren Durchgang.
So bereiten Sie sich vor
Für die sportlichen Teile des Auswahlverfahrens beginnen Sie früh mit gezieltem Training, am besten gemeinsam mit einer Kollegin oder einem Kollegen. Stehen Sie bereits im Dienst, können Sie in der Regel die Sport- und Trainingsräume Ihrer Dienststelle mitnutzen – fragen Sie bei Ihrer Vorgesetzten oder Ihrem Vorgesetzten nach.
Auf den Persönlichkeitstest und die mündliche Prüfung lässt sich schwerer hinarbeiten, weil Sie die Fragen nicht kennen. Hier hilft der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus der Einheit, die das Verfahren selbst durchlaufen haben und sagen können, worauf im Gespräch Wert gelegt wurde.
