Im Objektschutz der Polizei bewachen Sie gefährdete Gebäude wie Botschaften, diplomatische Vertretungen oder jüdische Einrichtungen. In der Regel arbeiten Sie dort nicht als Polizeibeamter, sondern als Tarifbeschäftigter. Die Ausbildung dauert wenige Monate statt mehrerer Jahre wie im Vollzugsdienst. Einen eigenen Objektschutz mit mehr als 1.600 Beschäftigten unterhält die Polizei Berlin, den Zentralen Objektschutz (ZOS); Hessen setzt dafür die Wachpolizei ein. Ein bundesweit einheitliches Berufsbild gibt es nicht: Ob und wie ein Land Angestellte für den Objektschutz einstellt, entscheidet jedes Land selbst.
Die folgenden Angaben stammen aus Stellenausschreibungen der Länder, Antworten des Berliner Senats auf parlamentarische Anfragen und dem sächsischen Landesrecht. Bei jeder Angabe steht der Stand, weil sich Entgeltgruppen und Ausbildungsdauer in den letzten Jahren geändert haben.
Was der Objektschutz im Dienstalltag macht
Die Polizei Berlin beschreibt die Tätigkeit in ihrer aktuellen Ausschreibung für „Polizeibeschäftigte im Objektschutz“ genau. Sie kontrollieren an den Zugängen den Fußgänger- und Fahrzeugverkehr einschließlich Personen- und Fahrzeugpapieren. Außerdem erteilen Sie Auskünfte, prüfen Tore, Zäune und Alarmanlagen, beobachten das Gelände und die Umgebung, nehmen Fundsachen entgegen und fahren Objektschutzstreifen mit dem Dienstfahrzeug. Geschützt werden nach einem Antrag der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus von 2023 unter anderem Botschaften, diplomatische Vertretungen und besonders gefährdete Einrichtungen wie jüdische Einrichtungen.
Bei der hessischen Wachpolizei ist das Aufgabenfeld breiter. Die Ausschreibung des Hessischen Polizeipräsidiums Einsatz von 2024 nennt zunächst Objektschutzmaßnahmen und die Sicherung polizeilicher Grundstücke und Gebäude. Hinzu kommen Transporte festgenommener Personen, Rückführungs- und Vorführungstransporte sowie technische Unterstützung.
Angestellt, nicht verbeamtet: Status und Befugnisse
Objektschützer der Polizei sind in Berlin und Hessen Tarifbeschäftigte des Landes. Sie gehören organisatorisch zur Polizei, sind aber keine Polizeivollzugsbeamten. In Berlin ist der ZOS ein Referat der Direktion Zentrale Sonderdienste. Zum 31.12.2025 arbeiteten dort nach Senatsangaben 1.631 Dienstkräfte, davon 1.558 Polizeibeschäftigte im Objektschutz und 73 Gruppenführende.
Bewaffnet sind die Beschäftigten trotzdem. Der Senat nannte 2016 die Pistole P6 und die Maschinenpistole MP5 als Ausbildungswaffen; einmal im Jahr müssen die Beschäftigten Mindestleistungen in festgelegten Schießübungen nachweisen. Der Antrag der Grünen-Fraktion zur Eingruppierung von 2023 begründet die höhere Bezahlung gerade damit, dass die Tätigkeit gründliche Rechtskenntnisse und die Anwendung unmittelbaren Zwangs bis zum Schusswaffengebrauch verlangt.
Wie weit die Befugnisse reichen, regelt jedes Land selbst. Sachsen hatte dafür ein eigenes Gesetz: Das Sächsische Wachpolizeidienstgesetz erlaubte Wachpolizisten unter anderem Befragung, Identitätsfeststellung, Platzverweis, Durchsuchung und Sicherstellung. Als Waffen waren nur Schlagstock und Pistole zugelassen. Die sächsische Wachpolizei war allerdings befristet eingerichtet. Das Gesetz sah sein Außerkrafttreten mit Ablauf des 31.12.2020 vor (§ 12 SächsWachdienstG). Für eine Bewerbung in Sachsen ist es daher kein aktueller Maßstab.
Voraussetzungen in Berlin und Hessen im Vergleich
Die Anforderungen sind deutlich niedriger als im Polizeivollzugsdienst, unterscheiden sich aber zwischen den Ländern. Die Tabelle gibt die Angaben der jeweils zuletzt ausgewerteten Ausschreibung wieder. Die hessische Ausschreibung von 2024 ist abgelaufen; ob und zu welchen Bedingungen die Wachpolizei derzeit einstellt, zeigt die Stellensuche des Landes Hessen.
| Merkmal | Berlin: Zentraler Objektschutz | Hessen: Wachpolizei |
|---|---|---|
| Alter | ab 18 Jahren | ab 18 mit Berufsausbildung, sonst ab 21; höchstens 39 Jahre (maßgeblich: Alter bei Einstellung) |
| Schulabschluss | Berufsbildungsreife (früher Hauptschulabschluss); ohne Abschluss mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung | Hauptschulabschluss (dann ab 21) oder abgeschlossene Berufsausbildung |
| Staatsangehörigkeit | bei Nicht-EU-Staatsangehörigen Niederlassungserlaubnis | deutsch oder EU; sonst Niederlassungserlaubnis und fünf Jahre Aufenthalt in Deutschland |
| Führerschein | Klasse B (Schaltgetriebe) bzw. B mit Schlüsselzahl 197 | Klasse B |
| Körpergröße | in der Ausschreibung nicht genannt | mindestens 155 cm |
| Gesundheit | polizeiärztliche Untersuchung | medizinische Untersuchung, Einverständnis zur Drogenuntersuchung |
| Weitere Prüfungen | keine Vorstrafen, Eintreten für die freiheitliche demokratische Grundordnung | Zuverlässigkeitsüberprüfung nach § 13a HSOG |
| Arbeitszeit | 38,5 Stunden im Wechselschichtdienst, Teilzeit ggf. möglich | 40 Stunden, in der Regel Fünf-Tage-Woche; Mehrarbeit auch am Wochenende |
| Stand | Ausschreibung mit Dienstbeginn 01.04.2027 | Ausschreibung 18-2024 vom 10.04.2024 |
Selbstcheck: Erfüllen Sie die Grundvoraussetzungen?
Der Check gleicht Ihre Angaben mit den Mindestanforderungen der beiden Ausschreibungen ab. Er ersetzt nicht die Prüfung durch die Einstellungsstelle; Gesundheit, Leumund und Testergebnisse kann er nicht abbilden.
Auswahlverfahren und Ausbildung
Hessen beschreibt den Ablauf konkret: schriftlicher Test, Auswahlgespräch, medizinische Untersuchung, danach eine Ausbildung von 18 Wochen mit Abschlussprüfung. Die Berliner Ausschreibung verlangt das Bestehen von Eignungstests und den Nachweis der körperlichen Eignung, ohne die Testteile einzeln aufzuführen. Die Bewerbung ist in Berlin ganzjährig und nur online über das Karriereportal der Polizei möglich.
Zur Dauer der Berliner Ausbildung gibt es als amtliche Angabe nur eine Senatsantwort von 2016. Der Grundlehrgang für Tarifbeschäftigte im Objektschutz umfasste damals 16 Ausbildungswochen. Dazu gehörten 15 Schießtage, 40 Stunden Eigensicherung und rund 160 Stunden Ausbildung für den Einsatz. Wer sich heute bewirbt, sollte die aktuelle Dauer bei der Einstellungsberatung erfragen. Nach dem Objektschutzgrundlehrgang gilt das Personal laut Senat von 2026 als abschließend qualifiziert.
Die Testinhalte für den Objektschutz veröffentlichen die Länder nicht im Detail. Wer sich auf schriftliche Tests vorbereiten will, findet beim Einstellungstest der Polizei Berlin die Aufgabentypen, die die Berliner Polizei im Vollzugsdienst einsetzt. Ob der Objektschutztest dieselben Teile enthält, ist nicht amtlich belegt. Zur medizinischen Prüfung und zum Drogentest gibt die Seite zur ärztlichen Untersuchung bei der Polizeibewerbung einen Überblick.
Bezahlung nach TV-L und TV-H
Objektschützer werden nach dem Tarifvertrag ihres Landes bezahlt, nicht nach der Beamtenbesoldung. In Berlin gilt der TV-L, in Hessen der eigene Tarifvertrag TV-H.
- Berlin: Entgeltgruppe 5 TV-L, laut aktueller Ausschreibung 3.073,97 bis 3.920 Euro brutto im Monat. Im Mai 2023 wurden Neueingestellte laut einem Antrag der Grünen-Fraktion, der sich auf eine Senatsantwort stützt, noch in Entgeltgruppe 4 eingruppiert. Das Bundesarbeitsgericht (4 AZR 195/22) hatte zuvor in einem Klageverfahren die Eingruppierung der Tätigkeit in Entgeltgruppe 5 bestätigt.
- Hessen: Entgeltgruppe 8 TV-H laut Ausschreibung von 2024.
Zum Vergleich mit Polizeibeamten im mittleren und gehobenen Dienst finden Sie die Besoldungsgruppen auf der Seite Polizei-Besoldung.
Befristung, Schichtdienst und Entwicklung
Beide Ausschreibungen sind zunächst befristet. Berlin stellt für 16 Monate ein, mit dem Ziel der Entfristung. Die hessische Stelle von 2024 war auf ein Jahr befristet. Der Dienst findet in Berlin im Wechselschichtdienst statt, also auch nachts und am Wochenende.
Innerhalb des Berliner Objektschutzes nennt der Senat drei Entwicklungswege: den Gefangenenbewachungsdienst, den Sicherheits- und Ordnungsdienst und die Funktion als Gruppenführender. Für Gruppenführende gibt es seit 2024 einen eigenen Lehrgang. Einen geregelten Übergang vom Objektschutz in den Polizeivollzugsdienst beschreiben die ausgewerteten Quellen nicht. Wer Polizeibeamter werden möchte, durchläuft das reguläre Auswahlverfahren seines Landes. Die Möglichkeiten für Berufserfahrene beschreibt die Seite Quereinstieg bei der Polizei.
Polizeilicher und privater Objektschutz
Objektschutz ist auch ein Arbeitsfeld privater Sicherheitsdienste, die Firmengelände, Baustellen oder Wohnanlagen bewachen. Der Unterschied liegt im Arbeitgeber und in den Befugnissen. Polizeibeschäftigte im Objektschutz sind beim Land angestellt, schützen Objekte im öffentlichen Auftrag und dürfen im Rahmen des Landesrechts unmittelbaren Zwang anwenden. Private Sicherheitskräfte haben keine hoheitlichen Befugnisse. Sie handeln mit den Rechten, die jedem zustehen (etwa Notwehr oder die vorläufige Festnahme nach § 127 Abs. 1 StPO), und mit dem Hausrecht, das ihnen der Auftraggeber überträgt. Wer im privaten Bereich arbeiten möchte, braucht keine polizeiliche Ausbildung, sondern je nach Tätigkeit die Unterrichtung oder die Sachkundeprüfung nach § 34a Gewerbeordnung bei der IHK.
Quellen
- Polizei Berlin: Stellenausschreibung „Polizeibeschäftigte/r im Objektschutz (m/w/d)“, Karriereportal des Landes Berlin, Dienstbeginn 01.04.2027 (karriereportal-stellen.berlin.de)
- Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 19/24881, Antwort des Senats vom 03.02.2026 (pardok.parlament-berlin.de)
- Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 17/18564 „Ausbildung an der und Praxis mit der Waffe beim Zentralen Objektschutz“, Antwort vom 06.06.2016 (pardok.parlament-berlin.de)
- Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/1054, Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 21.06.2023 (pardok.parlament-berlin.de)
- Hessisches Polizeipräsidium Einsatz: Ausschreibung 18-2024 „Wachpolizistin / Wachpolizist (w/m/d)“, veröffentlicht 10.04.2024 (stellensuche.hessen.de)
- Sächsisches Wachpolizeidienstgesetz vom 16.12.2015, §§ 1, 4, 5, 7, 12 (revosax.sachsen.de)
- Gewerbeordnung, § 34a Bewachungsgewerbe (gesetze-im-internet.de)
