Infos zu Berittene Polizei

Die berittene Polizei setzt auf tierische Kollegen als Verstärkung.

Polizist ist für viele schon ein Traumberuf. Für Pferdefreunde scheint eine Tätigkeit bei der berittenen Polizei aber noch einen drauf zu setzen. Schließlich ist ein Polizeireiter jeden Tag mehrere Stunden lang hoch zu Ross an der frischen Luft unterwegs. Und das oft auch noch in einer herrlichen Umgebung. Denn die Streife in Parkanlagen ist fester Bestandteil der alltäglichen Arbeit. Aber der Job hat nicht nur romantische Seiten. Ein Polizeireiter ist nämlich nicht einfach nur ein Reiter in Uniform, sondern in erster Linie Polizist. Und das mit allem, was dazugehört.

Die Polizeipferde werden sehr sorgfältig ausgewählt. Denn nicht jedes Pferd, das groß, kräftig und gesund ist, eignet sich für den Polizeidienst. Von Haus aus sind Pferde nämlich Fluchttiere.

Doch im Einsatz müssen sie mit Lärm, verschiedensten Geräuschen, Lichtern und Bewegungen, Hindernissen und teils aggressiven Menschenmassen zurechtkommen. Deshalb brauchen sie ein ruhiges Wesen und einen starken Charakter. Und sie durchlaufen eine intensive Ausbildung.

Was für die Polizeipferde gilt, ist bei den zweibeinigen Kollegen ähnlich. Auch künftige Polizeireiter müssen sich in einem umfangreichen Casting beweisen. Zumal noch dazukommt, dass es viele interessierte Bewerber, aber nur sehr wenige Stellen bei den polizeilichen Reiterstaffeln gibt.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was Sie über die berittene Polizei wissen sollten – und wie Ihr Weg dorthin aussehen kann.

Welche Aufgaben übernimmt die berittene Polizei?

Die berittene Polizei kann eine Vielzahl unterschiedlichster Aufgaben übernehmen. So können Polizeireiter zum Beispiel Fußballspiele, Konzerte, Umzüge, Volksfeste und andere Großveranstaltungen absichern. Daneben werden sie bei Demonstrationen eingesetzt.

Außerdem beteiligen sich die Reiterstaffeln bei Fahndungen, Absperrungen und Suchen im Gelände. Sie helfen aus, wenn größere Menschenmengen evakuiert werden müssen. Auch das Überwachen von Parkplätzen und Betriebsgelände, um Diebstähle und Vandalismus vorzubeugen, kann zu ihren Aufgaben gehören.

Ein weiterer großer Aufgabenbereich sind Streifendienste aller Art. Dabei reiten die Polizisten sowohl durch Städte und Fußgängerzonen als auch in Parks und Naturschutzgebieten.

Und nicht zuletzt erledigen berittene Polizisten alle die Arbeiten, die auch zum Job der nicht-berittenen Kollegen gehören. Unfälle aufnehmen, Strafanzeigen schreiben, Verwarnungen aussprechen oder die Autos von Falschparkern abschleppen lassen, zum Beispiel.

Was sind die besonderen Stärken der berittenen Polizei?

Die polizeilichen Streifen zu Pferd haben einige klare Vorteile. Das fängt allein schon mit der erhöhten Position der Reiter ein. Auf dem Rücken der Pferde können sie recht gut ein größeres Areal überblicken. Gleichzeitig sind die Polizistinnen und Polizisten besser geschützt. Dazu kommen weitere Pluspunkte:

Das Erscheinungsbild

Die Polizeipferde haben eine eindrucksvolle Größe, die durchaus Respekt einflößt. Aus diesem Grund können die Pferde Menschen dazu bewegen, zurückzuweichen. Wenn es darum geht, Demonstrationen oder Sitzblockaden aufzulösen, kann die berittene Polizei deshalb wertvolle Unterstützung beim Räumen der Plätze bieten.

Der psychologische Faktor

Ein Pferd ist zwar imposant. Anders als ein großer, bellender Hund flößt es aber nicht unbedingt Angst ein. Die großen Augen, die weichen Nüstern und das flauschige Fell lassen die Tiere schnell zu Sympathieträgern werden.

Dadurch verhelfen die Pferde der Polizei zu mehr Bürgernähe. Smalltalk, Fotos machen und die Tiere streicheln lassen, gehören für die berittene Polizei zum Berufsalltag dazu.

Gleichzeitig kann der Einsatz von Tieren beruhigend wirken und die Hemmschwelle, Gewalt anzuwenden, erhöhen. Gerade bei Fußballspielen, Festivals und anderen Anlässen, bei denen große Menschenmengen zusammenkommen, werden die berittenen Polizisten so durch ihre Präsenz zu Deeskalations-Experten.

Die Geländetauglichkeit

Die berittene Polizei kann in Naturlandschaften und in Naturschutzgebieten auf Streife gehen. Denn anders als Autos sind Pferde umweltverträglich. So können die Polizisten zusammen mit ihren vierbeinigen Dienstkollegen in naturnahen Arealen eingesetzt werden, ohne dabei die Natur zu schädigen.

Gleichzeitig können Pferde problemlos Gebiete bestreifen, in denen selbst Geländefahrzeuge an ihre Grenzen stoßen. Das gilt für Naturgebiete genauso wie für beispielsweise dichten Wald oder das Unterholz.

Wie sieht die Uniform von berittenen Polizistinnen und Polizisten aus?

Die Beamten der berittenen Polizei gehören zur Schutzpolizei. Deshalb tragen sie genauso wie die nicht-berittenen Kollegen Uniform. Dabei ähnelt die Uniform der üblichen Uniform. Der Unterschied besteht nur darin, dass die Beamten der berittenen Polizei als Hose eine Reithose und als Schuhwerk Reitstiefel tragen.

Gehen die berittenen Polizistinnen und Polizisten auf Streife, tragen sie als Kopfbedeckung einen Reithelm. Bei Demonstrationen, Fußballspielen und ähnlichen Großveranstaltungen kann der Helm je nach Einsatzlage auch gegen einen Helm mit Visier, der den Visier-Schutzhelmen der Bereitschaftspolizei ähnelt, ausgetauscht werden.

Auch wenn die Reiterstaffeln zu den Spezialeinheiten gehören, sind die Polizeireiter in erster Linie normale Polizeibeamte. Ganz alltägliche Dinge wie Unfallaufnahmen, Verwarnungen oder die Aufnahme von Anzeigen gehören genauso zu ihrem Job. Deshalb hat die berittene Polizei immer auch die klassischen Ausrüstungsgegenstände wie zum Beispiel Formulare dabei. Diese sind in den Satteltaschen verstaut.

Welche Polizeien haben eine Reiterstaffel?

Lange bevor es Autos und Fahrräder gab, waren Pferde schon als Transport- und Fortbewegungsmittel im Einsatz. Kein Wunder also, dass die berittene Polizei auf eine lange Geschichte zurückblickt. Trotzdem gibt es aus Kostengründen nicht überall Reiterstaffeln. Derzeit unterhalten folgende Polizeien berittene Einheiten:

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  • Bayern: Die bayerische Polizei hat eine Reiterstaffel in München. Unterstützt wird diese von Reitergruppen in Rosenheim und Nürnberg.
  • Baden-Württemberg: Die Landespolizei Baden-Württemberg unterhält zwei Reiterstaffeln. Sie befinden sich in Stuttgart und Mannheim.
  • Hamburg: 1975 wurde die Reiterstaffel der Hamburger Polizei aus Kostengründen abgeschafft. Im September 2010 wurde sie dann aber wieder aufgestellt.
  • Hessen: Die Reiterstaffel der hessischen Polizei hat ihren Standort in Frankfurt am Main.
  • Niedersachsen: Die niedersächsische Polizei hat zwei Reiterstaffeln. Das sind zum einen die Reiterstaffel Hannover und zum anderen die Reiterstaffel Braunschweig.
  • Nordrhein-Westfalen: Auch bei der Polizei NRW gibt es zwei Reiterstaffeln. Sie haben ihre Standorte in Dortmund und Düsseldorf.
  • Sachsen: In Großerkmannsdorf, nicht weit von Dresden entfernt, ist die Reiterstaffel der sächsischen Polizei stationiert.

Neben den genannten Landespolizeien unterhält auch die Bundespolizei eine Reiterstaffel. Bis Ende 2002 gehörte sie der Berliner Polizei an. 2017 zog die Reiterstaffel dann nach Stahnsdorf um. Die Reiter der Bundespolizei sind hauptsächlich im Großraum Berlin im Einsatz.

Wie kann ich Polizeireiter werden?

Die vielleicht spannendste Frage für Sie ist, wie Sie Beamtin oder Beamter bei der berittenen Polizei werden können. Tatsächlich ist das ein etwas längerer Weg. Denn es ist nicht möglich, direkt bei der berittenen Polizei anzufangen.

Weil die deutsche Polizei Ländersache ist, können die Voraussetzungen und Abläufe im Detail zwar etwas unterschiedlich sein. Grundsätzlich läuft es aber so:

1. Bewerbung und Auswahlverfahren bei der Polizei

Den Anfang macht eine ganz normale Bewerbung bei der Polizei. Wenn Ihr Ziel ist, später einmal zur berittenen Polizei zu wechseln, macht es natürlich Sinn, dass Sie sich von Anfang an bei einer Polizei mit Reiterstaffel bewerben.

Erfüllen Sie die formalen Voraussetzungen für eine Einstellung in den Polizeidienst, lädt Sie die Polizei zum Einstellungstest ein. Er erstreckt sich meist über mehrere Tage und beinhaltet verschiedene Bausteine. Dazu gehören schriftliche Tests, ein Sporttest und eine ärztliche Untersuchung. Außerdem stehen ein Vorstellungsgespräch und manchmal ein Assessment Center auf dem Programm.

Tipp: Welche Herausforderungen Sie bei den Eignungsauswahlverfahren in Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und bei der Bundespolizei genau meistern müssen, beschreiben wir Ihnen in separaten Beiträgen ausführlich.

2. Ausbildung oder Studium und Dienst bei der Polizei

Haben Sie den Polizei Einstellungstest erfolgreich hinter sich gebracht und mit guten Leistungen überzeugt, werden Sie eingestellt. Je nach Laufbahn absolvieren Sie dann Ihre Ausbildung oder Ihr Studium.

Danach starten Sie in den Polizeidienst. Sie arbeiten also als Polizistin oder Polizist und sammeln Berufserfahrung.

Ab wann Sie über einen Wechsel zur Reiterstaffel nachdenken können, hängt vom Bundesland ab. In Bayern beispielsweise müssen Sie mindestens drei Jahre Diensterfahrung haben. In den anderen Bundesländern ist es ähnlich.

Übrigens: Auf Ihr Gehalt hat die Tätigkeit bei der Polizeistaffel wenig Einfluss. Denn Sie sind und bleiben auch als Reiter Polizeibeamter. In welche Besoldungsgruppe sie eingeordnet sind, hängt deshalb von Ihrem Dienstgrad ab.

3. Bewerbung um eine Stelle bei der Reiterstaffel mit erneutem Eignungstest

Sind Sie seit einiger Zeit im Polizeidienst, können Sie sich auf eine freie Stelle bei der Reiterstaffel bewerben. Dass Sie nicht nur ein guter und kompetenter Polizist sein, sondern sich auch für Pferde und das Reiten begeistern sollten, versteht sich von selbst.

Vor einem Wechsel zur berittenen Polizei durchlaufen Sie dann noch einmal ein Testverfahren, das Ihre Eignung für die Reiterstaffel feststellen soll. Dieser Eignungstest beinhaltet in erster Linie ein ausführliches Gespräch und verschiedene Reitübungen.

Denn für eine Tätigkeit als Polizeireiter müssen Sie körperlich topfit und belastbar sein. Außerdem sollten Sie Spaß daran haben, mit Bürgern zu kommunizieren. Auf ein gepflegtes Erscheinungsbild legen die Polizeien ebenfalls viel Wert. Schließlich hat die berittene Polizei immer auch repräsentative Aufgaben.

Daneben wird erwartet, dass Sie bereit sind, sehr oft an Wochenenden zu arbeiten. Das liegt einfach daran, dass die berittene Polizei Fußballspiele, Konzerte, Volksfeste und ähnliche Veranstaltungen absichert. Und die finden eben überwiegend am Wochenende statt.

Eine weitere Grundvoraussetzung ist, dass Sie über ein hohes Maß an Besonnenheit und Verantwortungsbewusstsein verfügen. Schließlich kommen Sie mit Ihrem Pferd sehr nah an Menschen heran. Damit niemand verletzt wird, müssen Sie umsichtig handeln und richtig reagieren, wenn Ihr Pferd unruhig wird.

Klar, dass es auch zu Ihren Aufgaben gehört, sich um Ihren vierbeinigen Partner zu kümmern. Den Stall ausmisten oder das Pferd striegeln, ist Teil Ihres Jobs.

All diese Dinge sind Thema beim Eignungstest. Bekommen Sie die Stelle bei der Reiterstaffel, absolvieren Sie noch einmal eine Ausbildung. Dieses Mal handelt es sich um eine reiterliche Ausbildung.

Und nach Abschluss dieser Ausbildung haben Sie es geschafft und leisten künftig Ihren Dienst als Polizeireiter!