Aktualisiert am 18. Juni 2020 von Ömer Bekar

Polizei Aufnahmetest: Genauer AblaufBevor die berufliche Karriere bei der Polizei beginnen kann, muss eine wichtige Hürde genommen werden: der Einstellungstest. Lesen Sie hier, wie die Eignungsprüfung abläuft. Der Polizeiberuf ist ein spannender und vielseitiger, aber auch anspruchsvoller und herausfordernder Beruf. Denn der Polizeialltag ist prägt vom Umgang mit Menschen. Und diese erlebt der Polizist in all ihren Facetten: Hilfe suchend, ängstlich, eingeschüchtert, verletzt, einsichtig, aber auch wütend, widerspenstig oder gewalttätig.

Der Polizist ist mal der Freund und Helfer. Mal ist er der Schutzmann, der für Ordnung und Sicherheit sorgt. Und mal muss er der böse Spielverderber sein oder Entscheidungen durchsetzen, die beim Betroffenen gar nicht gut ankommen. Der Polizeiberuf bringt es also mit sich, dass bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten vorhanden sein müssen. Die Polizei braucht starke Persönlichkeiten, mental und körperlich. Und um herauszufinden, welche Bewerber zur Polizei passen, werden umfangreiche Auswahlverfahren durchgeführt. Wie diese ablaufen, erläutern wir Ihnen in diesem Beitrag.

Polizei Aufnahmetest: Genauer Ablauf | Eines vorweg:

Wenn hier von der Polizei die Rede ist, dann ist das streng genommen nicht ganz richtig. Denn in Deutschland ist die Polizei Ländersache. Das heißt: Jedes Bundesland hat seine Polizei. Dazu kommt die Bundespolizei, die aber andere Aufgaben übernimmt als die Länderpolizeien. Die Polizeien erarbeiten ihre Auswahlverfahren eigenständig. Deshalb gibt es keine bundesweit einheitliche Eignungsprüfung. Vielmehr läuft der Einstellungstest in jedem Bundesland ein wenig anders ab. Im Großen und Ganzen sind die Auswahlverfahren aber durchaus miteinander vergleichbar. Und es gibt ein paar grundlegende Bausteine, die zu jedem Einstellungstest dazugehören.

Übrigens: Der Einstellungstest wird auch als Eignungsprüfung, Eignungsauswahlverfahren oder kurz EAV bezeichnet. Und in Österreich wird vom Aufnahmetest gesprochen.

So läuft der Einstellungstest bei der Polizei ab

Die Einstellungstests bei den Polizeien der einzelnen Bundesländer sind unterschiedlich aufgebaut. So variieren beispielsweise die thematischen Schwerpunkte. Auch die Dauern fallen verschieden aus. Der Einstellungstest in Baden-Württemberg beispielsweise dauert einen Tag, während er sich in Bayern oder Niedersachsen über zwei Tage erstreckt. Und in Hamburg oder Nordrhein-Westfalen ist der Einstellungstest sogar auf drei Prüfungstage aufgeteilt. Die mehrtägigen Auswahlverfahren werden teils an aufeinanderfolgenden Tagen und teils mit zeitlichem Abstand zwischen den Testtagen durchgeführt. Vom Grundprinzip her weisen die Auswahlverfahren aber viele Gemeinsamkeiten auf.

Die Vorauswahl

Den Anfang macht immer die Bewerbung. Dazu füllt der Bewerber das Bewerbungsformular der Polizei aus. Dieses Formular reicht er zusammen mit den übrigen geforderten Bewerbungsunterlagen ein. Wichtig dabei ist, die jeweilige Bewerbungsfrist einzuhalten. Wird die Bewerbung zu spät abgegeben, kann sie für den aktuellen Einstellungstermin nicht mehr berücksichtigt werden.

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Die Polizei prüft die Bewerbungsunterlagen auf Vollständigkeit. Sollte etwas fehlen, wird der Bewerber aufgefordert, die fehlenden Unterlagen nachzureichen. Außerdem prüft die Polizei, ob der Bewerber die formalen Einstellungsvoraussetzungen erfüllt. Ist das der Fall, wird der Bewerber zur Teilnahme am Einstellungstest eingeladen.

Der PC-Test

Der eigentliche Einstellungstest beginnt mit einer schriftlichen Prüfung. Sie wird als computergestützter Test durchgeführt. Bei dem PC-Test muss der Bewerber Fragen aus unterschiedlichen Aufgabengruppen beantworten. Dabei erstreckt sich der PC-Test über verschiedene Themenfelder wie beispielsweise

  • Deutsch,
  • Allgemeinbildung und Fachwissen,
  • Mathe,
  • technisches Verständnis,
  • logisches und visuelles Denkvermögen oder
  • Konzentrations- und Merkfähigkeit.

Bei den Fragen handelt es sich meist um Multiple-Choice-Aufgaben. Der Bewerber sieht also mehrere Antwortmöglichkeiten und muss die richtige Lösung ankreuzen. Teilweise werden aber auch offene Fragen gestellt. Je nach Bundesland findet nur ein PC-Test statt oder die Themenfelder sind auf mehrere Einzeltests aufgeteilt. Beim Deutschtest wird zudem oft ein Diktat oder ein kurzer Aufsatz geschrieben.

Um den PC-Test zu bestehen, muss der Bewerber eine bestimmte Anzahl an Fragen richtig lösen. Hat das geklappt, hat er den PC-Test bestanden und kann mit dem nächsten Testteil weitermachen. Scheitert er hingegen am PC-Test, ist das Auswahlverfahren für ihn beendet.

Tipps zum PC-Test:

  • Gerade auf den schriftlichen Prüfungsteil können Sie sich sehr gut vorbereiten. Wenn Sie die typischen Aufgabengruppen kennen und geübt haben, wird Ihnen dieses Wissen Sicherheit geben.
  • Beim Test selbst sollten Sie sich die Fragen und die Antwortmöglichkeiten sehr genau durchlesen. Sie sollten zwar zügig arbeiten, denn die Zeit ist begrenzt. Es bringt aber nichts, wenn Sie hektisch werden und deshalb lauter Flüchtigkeitsfehler machen.
  • Verbeißen Sie sich nicht an einer Aufgabe. Wenn Sie die Lösung nicht wissen, dann raten Sie! Vielleicht haben Sie ja Glück und Ihre Antwort stimmt. Zudem müssen Sie keine Angst haben: 1. sind die Tests so angelegt, dass kaum jemand alle Fragen schafft. Und 2. müssen Sie nicht alle Aufgaben lösen, um den Test zu bestehen.
  • Wenn Ihnen etwas unklar ist, können Sie jederzeit beim Testleiter nachfragen. Dafür ist er da!

Der Sporttest

Körperliche Fitness ist eine elementare Voraussetzung für den Polizeidienst. Und um zu ermitteln, wie fit der Bewerber wirklich ist, wird seine sportliche Leistungsfähigkeit in einem Sporttest auf die Probe gestellt. Meistens beinhaltet die Sportprüfung mehrere Disziplinen. Je nach Bundesland können dies beispielsweise

  • ein Langstreckenlauf,
  • ein Hindernis-Parcours,
  • Bankdrücken,
  • Klimmzüge,
  • Weitsprung oder auch
  • Schwimmen

sein. Insgesamt geht es beim Sporttest darum, die Ausdauer, die Kraft, die Schnelligkeit und das Koordinationsvermögen zu prüfen. Damit der Bewerber den Sporttest besteht, muss er in jeder Disziplin festgelegte Mindestleistungen erbringen. Umfasst der Sporttest mehrere Disziplinen, ist oft jede Disziplin ein K.O.-Kriterium. Das heißt: Der Bewerber muss bei jeder Sportaufgabe die geforderten Werte erreichen. Andernfalls scheidet er aus dem weiteren Ausnahmeverfahren aus.

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Ausnahmen mit Blick auf den Sporttest bilden die Bundesländer Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. In Baden-Württemberg muss der Bewerber als Sportprüfung einen 3000-Meter-Lauf absolvieren. Allerdings wird der Sporttest im Rahmen des Einsstellungstests nur dann durchgeführt, wenn der Bewerber das Deutsche Sportabzeichen in Silber nicht hat. In Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt gehört die Sportprüfung nicht zum Auswahlverfahren. Hier muss der Bewerber seine sportliche Leistungsfähigkeit schon im Vorfeld unter Beweis stellen. Dazu muss er bereits den Bewerbungsunterlagen einen Nachweis über das Deutsche Sportabzeichen beilegen. Dabei ist in Nordrhein-Westfalen das Deutsche Sportabzeichen mindestens in Bronze und in Sachsen-Anhalt in Silber gefordert.

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Tipps zum Sporttest:

  • Auf den Sporttest können Sie sich gut vorbereiten. Auf unserer Seite und auf den Webseiten der Polizeien finden Sie genaue Infos dazu, welche Disziplinen geprüft werden und welche Leistungen Sie für eine erfolgreiche Teilnahme erbringen müssen.
  • Unterschätzen Sie den Sporttest nicht! Auch wenn Sie fit sind und viel Sport treiben, sollten Sie gezielt für den Sporttest trainieren.
  • Üben Sie am besten so, dass Ihre Leistungen 15 bis 20 Prozent besser sind als die geforderten Mindestleistungen. Dadurch haben Sie einen Leistungspuffer, falls Sie am Prüfungstag einen eher schlechten Tag erwischen sollten.

Das Einzelgespräch

Das Einzelgespräch ist mit einem klassischen Vorstellungsgespräch vergleichbar. Es kann als strukturiertes Interview oder als freies Gespräch durchgeführt werden. Beim Einzelgespräch geht es darum, den Bewerber als Person kennenzulernen und seine Motivation für den Polizeiberuf zu hinterfragen. „Warum möchten Sie zur Polizei?“ ist deshalb eine ganz typische Frage im Einzelgespräch.

Tipps zum Einzelgespräch:

  • Versuchen Sie, authentisch zu bleiben. Verstellen Sie sich nicht, sondern zeigen Sie sich offen und ehrlich.
  • Bereiten Sie sich auf das Vorstellungsgespräch vor, aber lernen Sie keine Antworten auswendig. Es wirkt unglaubwürdig, wenn Ihre Antworten konstruiert und einstudiert daherkommen.
  • Setzen Sie sich mit dem Polizeiberuf auseinander. Überlegen Sie sich, welche Vorteile und welche Nachteile der Beruf hat. Und machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie Ihre persönliche Motivation für eine Tätigkeit als Polizist schlüssig und plausibel darstellen können.

Das Assessment-Center

Im Assessment-Center stehen die sozialen und die kommunikativen Fähigkeiten im Vordergrund. Typische Elemente bei diesem Prüfungsteil sind

  • Rollenspiele,
  • Gruppenaufgaben,
  • Gruppendiskussionen und
  • kurze Referate oder Vorträge.

Bei den Rollenspielen schlüpft meist ein Prüfer oder ein Polizist in die Rolle des Gegenspielers. Die Gruppenaufgaben löst der Bewerber zusammen mit anderen Mitbewerbern. Das gesamte Assessment-Center findet unter Beobachtung der Auswahlkommission statt.

Ein Assessment-Center absolviert der Bewerber in Bayern, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. In Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen ist das Assessment-Center Bestandteil des Einstellungstests für den gehobenen Dienst. Aber: Auch wenn Sie kein Assessment-Center durchlaufen, sollten Sie sich stets fair und kollegial verhalten! Der Polizeiberuf lebt vom Umgang mit Menschen und vom Teamgeist. Deshalb könnten Sie wertvolle Punkte verschenken, wenn Sie sich danebenbenehmen.

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Tipps fürs Assessment-Center:

  • Nehmen Sie aktiv an den Aufgaben teil. Andernfalls werden die Prüfer Ihre Leistungen kaum bewerten können.
  • Bringen Sie Ihre Ideen zum vorgegebenen Thema ein und machen Sie Vorschläge, wie das jeweilige Problem gelöst werden könnte. Achten Sie aber darauf, nicht nur Ihre Standpunkte durchzusetzen, sondern mit den anderen zusammenzuarbeiten.
  • Zeigen Sie sich im Umgang mit anderen Menschen bestimmt, aber auch einfühlsam und kooperativ.
  • Verstellen Sie sich nicht. Im Assessment-Center geht es nicht um Ihre schauspielerische Leistung. Bleiben Sie authentisch!

Die polizeiärztliche Untersuchung

Nicht nur körperliche Fitness, sondern auch ein solider Gesundheitszustand ist eine Grundvoraussetzung für den anspruchsvollen und körperlich oft anstrengenden Polizeidienst. Eine medizinische Untersuchung durch einen Polizeiarzt bzw. eine Polizeiärztin gehört deshalb zum Auswahlverfahren dazu. Dabei setzt sich der polizeiärztliche Check aus mehreren Teiluntersuchungen zusammen, zu denen unter anderem

  • eine allgemeine körperliche Untersuchung,
  • ein Hörtest,
  • ein Sehtest,
  • ein Lungenfunktionstest und
  • ein EKG

gehören. Die polizeiärztliche Untersuchung soll ermitteln, ob der Bewerber aktuell und auf lange Sicht die gesundheitliche Eignung für den Polizeiberuf mitbringt. Sollte es notwendig sein, werden deshalb zusätzliche Untersuchungen durchgeführt, beispielsweise Röntgenaufnahmen. Möglich ist auch, dass der Bewerber an einen Facharzt verwiesen wird und das entsprechende Attest dann nachreichen muss. Das wird aber mit dem Bewerber besprochen. Sollten beim Bewerber bestimmte gesundheitliche Probleme ans Licht kommen, ist eine Einstellung bei der Polizei leider nicht möglich.

Und was hat es mit der Rangliste auf sich?

Hat der Bewerber alle Stationen des Einstellungstests erfolgreich hinter sich gebracht, wird aus seinen Einzelergebnissen ein Gesamtergebnis ermittelt. Bei diesem Gesamtergebnis kann es sich um eine Note oder eine Punktzahl handeln. Die Endergebnisse aller Bewerber, die das Auswahlverfahren bestanden haben, werden anschließend in eine Rangliste eingeordnet. Und je besser ein Endergebnis ist, desto höher ist die Platzierung in der Rangliste.

Wenn es dann um die endgültige Auswahl geht, spielt die Ranglistenplatzierung eine entscheidende Rolle. Denn die Polizei arbeitet die Rangliste der Reihenfolge nach ab. Die freien Ausbildungsplätze werden also entsprechend der Ranglistenplatzierungen besetzt. Werden beispielsweise 100 Polizeianwärter eingestellt, bekommen die Bewerber auf den ersten 100 Plätzen der Rangliste eine Zusage. Sollte es sich ein Bewerber zwischenzeitlich anders überlegen, rückt der nächstplatzierte Bewerber in der Rangliste für ihn nach. Und wo in der Liste der Bewerber steht, kann er übers Internet herausfinden. Denn die Polizeien veröffentlichen die aktuellen Ranglisten meist auf ihren Internetseiten.